»Meine Schuld! hatte er geschrien. Hat ihn doch das böse G’wissen geworfen!«
Dem trat der Gerhalt entgegen: »Still seid, sag ich! Erst vor ein paar Tagen habt ihr die Buben so hergerichtet und jetzt geht’s an den da! Ihr seid doch ein verfluchtes Gesindel!«
Die Menge verzog sich grollend. Dem Reste der Messe wohnten nur wenige bei. – Die es taten, sie beteten sicher sehr andächtig und dachten an Schuld, aber kaum an ihre eigene.
Das Böse ist Einbildung, das Gute ist wirklich
Am Nachmittage desselben Tages besuchte der Ortsvorsteher den Michelwirt. Er fand ihn in einem Zustande, daß es ihm beikam: Am Ende ist er’s wirklich! Ob er sich könnte ausweisen? Etliche sagen, er wär’ wohl daheim gewest am selbigen Tag. Andere sagen, er wär nit daheim gewest.
Als der Wirt den Gerhalt sah, breitete er die Arme aus: »Hilf mir, Nachbar, hilf mir! – Dank dir’s nur Gott, daß du gekommen bist, ich kann’s nimmer dertragen. Schau dir einmal das an!« Er hielt ihm die Depesche hin: »Da steht’s. Förster Rufmann, Eustachen ob Ruppersbach. Unschuld der Söhne klar erwiesen. Noch heute treffen sie zu Hause ein. Strählau, Gerichtsrat.«
Als der Gerhalt gelesen hatte, murmelte er: »Kommen heim – und was finden sie?«
»Ich kann’s nit dertragen, Nachbar. Keinem Menschen kann ich’s eingestehen, aber du mußt mich anhören. Macht mit mir, was ihr wollt!«
Dem Gerhalt verschlug’s den Atem. »Michel,« sagte er dann, »ich kann schon was dertragen, aber wenn’s zu grob sollt werden – zu grob!«
Der Michel saß auf einer Truhe und stützte den Ellbogen aufs Knie und mit der Hand verhüllte er sich die Augen. »Gerhalt,« sagte er dann und stieß die Worte kurz und dumpf hervor. »Du bist ein ehrlicher Mann. Wenn du glaubst, daß du es anzeigen mußt, so tu’s. Sonst behalt’s bei dir. Mir selber wegen ist schon alles einerlei. Nur meiner Familie wegen … Seine Söhne. Was ich hab, das soll ja ihnen gehören. Ich bin mit mir fertig. Das einzige, was ich noch tun soll auf der Welt, das kann ich nit. Einen Toten aufwecken.«