»Mein Gott! Mann, was hast denn? Tut dir träumen?«

»Den Rufmann begleiten. – Bin a lustiger Wildpratschütz …«

Da sie das Entzücken seines Traumes wohl merkte, so ließ sie ihn singen. Manches Lied schlug er an, kam jedoch mit keinem zu Ende.

Einmal unterbrach er sich und stellte dem Rufmann aus, daß er um einen Ton zu tief dran sei. Dann wieder war es, als scherze er mit jemand und necke ihn. Und endlich ist er in einen tiefen Schlaf gesunken.

Um diese Zeit hatten es die Leute gemerkt, daß mit dem Michel wieder eine Veränderung vorging. Zwar saß er noch immer nicht bei seinen Gästen, kümmerte sich auch nicht um die Wirtschaft oder um eine Gemeindeangelegenheit. Aber heiterer war er geworden. Wo er wem begegnete, da blieb er stehen und sprach ein paar gewohnte Worte oder machte gar einmal ein seltsames Späßchen. Körperlich verfiel er. Eines Tages, als er wieder am Ufer des Flusses saß und hinschaute, wie die Sonne so schön in den kreiselnden Wellen zitterte, kam Gerhalt zu ihm und wollte ihn nach Hause führen.

»Ich hab’ jetzt nit Zeit, Nachbar,« antwortete der Michel in gemütlicher Art, »kunnt versäumen, kunnt versäumen.«

»Was ist denn da zu versäumen?« lachte der Vorstand überlaut. »Das Wasser läuft dir nit davon. Das rinnt in alle Ewigkeit herab.«

»Ja alle Ewigkeit, sagst du. Rinnt her und rinnt fort und ist immer dasselb Wasser. Das ist spaßig. Wirst dir’s aber gewiß nur einbilden, Martin.«

»Mein lieber Michel, das Wasser ist keine Einbildung!«

»Ich weiß es wohl, Nachbar, ich weiß es wohl. Ist ja der Rufmann drin ertrunken. Sind ja die Buben übers Wasser fortgefahren. Aber sie kommen wieder. Sie kommen alle wieder. Und derowegen muß ich warten.«