Hinter dem Hause plötzlich ein großes Gelächter. Einer der Burschen lief um die Ecke, mit den beiden Händen die linke Wange haltend, als ob sie ihm davonlaufen wollte. Der Kruspel. Eine unerhörte »Amtsbeleidigung«. Mit der Helenerl hatte er in seiner Art vertraut werden wollen. So schallend hatte es geklatscht, daß die Gerhaltbuben auf der Kegelbahn anfangs geglaubt, der Förster habe aus seiner »Schrottpfeife« einen Schuß tun wollen und sei ihm das Zündhütchen abgeschnalzt.
Der kaiser-königliche Straßenschotterer, der nun auch die seine hatte, meinte wohl, das sei gerade der beste Abgang; so tapfte er weit- und krummschrittig heimwärts.
Ihm folgten in gemütlicher Stimmung die Gerhaltbuben. Bald darauf rollte auch das Steirerwäglein die Straße entlang gen Eustachen. Und stille war’s im Forsthause.
Nächtig träumte Elias von der himmlischen Jungfrau; und der Friedl von der irdischen.
Der Krauthas und seine Hauswirtschaft
Der Förster saß noch spät in der Nacht in seiner Stube, rauchte aus der großen Pfeife mit dem langen Rohr und las eins aus der Bibel.
Er war in einer gehobenen Stimmung, wie allemal, wenn er mit dem Freunde zusammengewesen, dem liebsten, treuesten Menschen, den er nebst seinen Söhnen auf dieser Welt wußte. So wie im Singen harmonierten sie auch in allem anderen. Und wo sie verschiedene Meinung hatten, da war es erst recht köstlich, da trachtete einer den anderen zu verstehen und erweiterte an den Meinungen des anderen sein eigenes Denken.
Der Michel hatte mancherlei erlebt und als Wirt an der Straße vieles erfahren, was einem Waldförster sein Lebtag nicht nahekommt. Mit Handwerksburschen wie mit Bauern, mit Touristen wie mit fahrendem Volk und fahrenden Herrschaften pflegte der Michel stets ein Gespräch anzuknüpfen. Er verstand das gar witzig anzufangen, machte seine Schwänke, seine unbefangenen Bemerkungen und holte damit die Leute aus, ohne daß sie es merkten und ohne daß er es eigentlich beabsichtigte. Seine sinnige Natur trieb ihn auch an, manches Buch zu lesen und die aufgenommenen Gedanken weiterzuspinnen. Er wurde nicht das, was er las oder hörte, und doch änderte sich daran sein Wesen; das rege Gemüt schmiegte sich an manchen fremden Geist, der nicht so treu war wie er.
Aber auch der Förster war nicht bloß Förster, er war dazu noch ein Mensch, der über die Wipfel seines Waldes hinaus angeregt sein wollte, der sich mitteilen wollte, Teilnahme begehrte. Im Denken und Sprechen war er wohl nicht so fix, doch wenn er singen konnte, mit dem Freunde singen konnte – dann war er ein glücklicher Mensch. Daß sein schöner Baß in Michel den richtigen Tenor gefunden hatte, diese Frohheit faßte er oft in dem Worte zusammen: »Ja, wenn ich den Michelwirt nicht hätt!« Er hatte ihn, und die ruhige Freude darüber las er in die Bibel hinein und aus der Bibel heraus. Beim Nachtgebet dachte er an seinen Wald, an seine Buben, an seinen Freund und darauf gab’s einen guten Schlaf.
Zu einem so gründlichen, murmeltierartigen Untertauchen in das Nichts brachte er es freilich nicht wie sein Sohn Fridolin. Bei dem war alles ausgelöscht, Schneekugeltreiben, Krauthas und Helenerl. Er lag im Bette wie ein Klumpen Erdstoff, der atmet.