Elias konnte keinen Schlaf finden. Zuerst hatte er lange gebetet, dann war er ins Sinnen gekommen und dabei war ihm bange geworden. – Was wird’s noch werden mit meinem Bruder? Ein so weltlicher Mensch! Von Himmel und Hölle will er nichts hören. Immer Lustbarkeit, Leichtsinnigkeit, sogar sündige Sachen. Man hört von ihm kein Morgengebet und kein Abendgebet und nichts. Tut man ihn erinnern, so lacht er; was soll das noch werden? Drei Finger möchte ich mir abhacken lassen dafür, wenn er anders wäre. – – Dann betete er wieder, bis auch über ihn der Friede kam.

Sogar die alte Sali hatte vor ihrem Einschlafen den Tag noch einmal überdacht. – Singen können die zwei! Wenn ihnen nit auch die dummen Schelmenliedeln täten im Kopf stecken, Vorsinger kunnten sie werden bei der Wallfahrtschar nach Mariazell. – Aber eine solche Hochmütigkeit! Schau dir einmal die Hochmütigkeit an! Wie viele wären froh, wenn sie so einen Kaffee kunnten haben! Ich halt’ nix mehr auf den Michelwirt!

Am nächsten Morgen gingen sie miteinander ins Gebirge, der Förster und der Friedl. Ersterer hatte einen Stock, dessen Handhabe aus einem eisernen Griff bestand, der an einer Seite Hämmerlein, an der anderen ein kleines Beil war. Der Friedl trug über der Achsel eine Holzhacke. Auch Elias war eingeladen worden, mitzukommen. Der blieb zu Hause, er habe zu lernen. In der Schlucht schattete es noch; an den Uferrasen der Tauernach Eiszapfen. Auf den Berggipfeln Sonnenschein.

Bald hinter dem Halse trennten sich Vater und Sohn. Der Förster der Ach entlang, dann in den Forst hinan, um schlagbare Stämme zu märken. Es mußte geplendert werden. Aus dem noch nicht schlagreifen Wald mußten die kranken, schadhaften Bäume entfernt werden. Schnee- und Windbrüche gab es. Die gebrochenen Stämme sind Brutstätten für das Insekt, sie müssen fort. Der Förster zeichnete die Arbeit an. Plötzlich begann er zu fluchen. An einigen Fichtenstämmen waren ihm wieder solche Wunden aufgefallen.

»Wenn ich nur diesen gottverfluchten Pechkratzer einmal könnt erwischen! Die schönsten Bäume bringt er mir um! Ich wollt’s erraten, wer’s ist. Aber derweil die Untersuchung nicht kommt, muß man den Mund halten. Die Spitzbuben haben heutzutag ein großes Recht.«

Der Friedl ging der Bärenstuben zu, nach dem Teschenwald, wo die Holzknechte arbeiten. Bei dem Krauthasen sprach er vor und begehrte ein Stamperl Noten. Im Wirtshaus einkehren und nichts trinken, das schickt sich nicht.

»Kriegen jetzt auch wieder einen guten Weißen,« gestand der Kohlenbrenner vertraulich. »Hab schon wieder was im Kessel, da hinten oben!«

»Lang hab ich heut eh nit Zeit. Da hast,« sagte der Bursche und warf ein zerknülltes Papier auf den Tisch. »Gib heraus!«

Der Krauthas machte einen langen Hals, krabbelte mit seinen dürren, rußigen Fingern das Papier auseinander. »Junger Herr, da soll ich herausgeben? Was glaubst denn, daß ein Fassel Rosoli kostet?«

»So laß wenigstens den da,« der Bursche deutete auf sein Gläschen, »draufgehen, du alter Rab!«