»Ja, mein Lieber, was wollt Ihr denn sonst fischen?«
»Menschen –«
Der Michel schüttelte seinen schwarzlockigen Kopf und ging seines Weges. Den Mann hatte er nicht gekannt. Menschen will er fischen, wie Petrus, vielleicht auf Gassen und Straßen, oder in Wirtshäusern? Gut. Aber aus dem Wasser Menschen! …
Der Einbildung hing er noch lange nach.
Dann wollte er durch die Au und das Lärchenwäldchen ins Dorf zurückkehren. Allein hier war das Wasser ausgetreten und aus dem trüben Spiegel standen die Bäume auf. Er mußte wieder zur Straße hinüber.
Dort setzte sein Sinnen neuerdings bei den schwarzen Micheln ein und wieder mündete es beim blonden Mädel aus. Was wird die einmal für einen fischen? Na, die fischt nicht, im Gegenteil, daß sie nur nicht einmal wo anbeißt! Angeln tun ihrer etliche. Recht oft beobachtet er heimlich. Sie ist das stille, heitere Dirndel wie immer. Ahnt es gar nicht, wie sie von den Augen junger Männer aufgegabelt wird. Es wäre freilich ein leichtes Anheiraten, so ein Mädel, so ein Wirtshaus; das berufenste in der ganzen Gegend von Löwenburg bis in die Sandau hinauf. Sie wird keine schlechte Auswahl haben, ja, sie müßte eigentlich schon drauf gekommen sein – auf den rechten –. Wollt mich wundernehmen, wenn sie alleweil noch nix tät merken! Oder ist’s ein stilles Wasser? Ein tiefes?
Und war es, daß der Michel schon in der nächsten Viertelstunde zweien Verehrern seines Töchterleins begegnen sollte.
Mitten auf der Straße waren zwei Burschen aufeinander geraten, ineinander verschlungen zu einem heftigen Ringen. Der eine suchte den anderen von sich zu schleudern, der andere klammerte sich an den einen fest und wollte ihm ein Bein stellen. So fuhren sie wie ein wildes Tier mit vier Beinen quer auf der Straße hin und wieder, strampfend, schnaufend – wortlos. Es waren der Straßenarbeiter Kruspel und Försters Friedl. Der Michel, der von den Ringenden nicht bemerkt wurde, schaute wohlgefällig zu. Buben müssen raufen, das macht sie stark und mutig. Und der Stärkere wird wohl der Försterische sein! Er war es nicht, wenigstens nicht der Abgefeimtere. Plötzlich lag er, durch eine tückische Wendung hingeschleudert, daß der Straßenkot hoch aufspritzte. Der Kruspel ließ aber nicht ab, er stürzte sich auf den Unterliegenden, stemmte ihm die Knie in den Magen, krampfte seine Finger in die Gurgel und würgte ihn. Als er den Michelwirt gewahrte, wie dieser fluchend herbeisprang, stieß er dem Försterischen noch rasch zweimal die Faust ins Gesicht, ließ los und flüchtete sich mit großen Sätzen in den Lärchenschachen.
Der Friedl sprang auf und wollte jenem nachlaufen. Gerade vor dem Michelwirt, denn er schämte sich, unterlegen zu sein.
»Oho!« rief der Wirt und fing ihn ab. »Im jetzigen Festanzug kannst nit heim. Komm, wir gehen durch den hinteren Hof ins Haus und in meiner Stuben ziehst du einen anderen Menschen an.«