»Fehlt dir was, Friedl?« fragte er.

»Halt’s zsamm!« schnauzte ihn der Bruder ab. Weiter nichts, aß seine Rahmsuppe, nahm das Beil über die Achsel und ging davon.

Darüber war Elias den ganzen Tag gedrückt. Er hatte sich in Schulgegenständen Wiederholungen auferlegt; aber im Latein stand der Friedl mit vergrämtem Gesicht, in der Mathematik stand der Friedl schweigsam und finster, das eiserne Beil auf der Schulter. Elias hatte Angst und wußte doch wieder nicht warum. Sind ja so viele Leute ungut aufgelegt, wenn nach einer Reihe von Feiertagen wieder der Werktag kommt. Warum soll denn just der Friedl immer lustig sein! Und hat er ihn nicht schon selbst zu größerer Ernsthaftigkeit ermahnt, wenn er zu lustig war? Und warum soll er nicht das Beil auf die Achsel nehmen, wenn er in den Holzschlag geht? Da nahm sich der Junge vor, recht angelegen lieb zu sein mit seinem Bruder, wenn er am Abend zurückkommt von der Arbeit.

Um die gewöhnliche Stunde kam er zurück, aber nicht mit einem Scherzgruß, wie er sonst die Seinen zu begrüßen pflegte. So wortkarg war er beim Abendessen, daß ihn der Vater fragte: »Ist dir was, Friedl?«

»Nein!«

Bald ging er zu Bette, lag so ruhig, als ob er schlafe. Aber plötzlich, als längst alles still geworden war im Hause, sagte der Friedl halblaut und kalt: »Den Kruspel muß ich umbringen.«

Elias hatte es gehört. Hatte es schrecklich verstanden und doch nicht verstanden. Er stand auf, zog sich an und setzte sich ans Bett zu Häupten des Bruders. Dort blieb er unbeweglich sitzen, wohl eine Stunde lang. Zu den Fenstern schien der Mond herein. Elias wußte nicht, was das war. Er betete. Dann legte er seine kühle Hand ganz leicht auf das Haupt Friedls.

»Geh schlafen,« sagte dieser, »umbringen nit, aber ein Denkzettel soll der kriegen!«

Wagte es der Student und fragte beklommen: »Friedl, was hat’s denn gegeben?«

Der Friedl richtete sich im Bette auf. – »Vorgestern, ich will heimgehen vom Eierlocken. Beim lichten Tag ist’s noch. Auf der Straßen bei dem Lärchenschachen der Wegmacherbub. Wir warteln. Er springt her, packt mich an. Ich wehr mich, er schlägt mir das Bein aus, würgt mich, stoßt mir die Faust ins Gesicht – zweimal, das für die Michelische, sagte er, und das für dich! Der Michelwirt ist just dahergegangen, da lauft er davon.«