»Wenn was wär, so müßt sich der Waldl gemeldet haben,« meinte der Förster. »Geh einmal hinaus und schau nach.«
»Wer, ich?« entgegnete sie durch die halbgeöffnete Tür, zitternd vor Erregung und Angst. »Nit ums Halsabschneiden!«
»Das wär was Neues, Sali!«
»Ich bin aufgenommen für meine Dienste, Herr Oberförster, aber nit für solche Sachen bei der Nacht!« »Oberförster« sagte die Alte, da mußte sie schon arg gereizt sein.
Also stand Rufmann auf und ging hinaus. Das Tor war nicht versperrt, nur angelehnt. Da fiel es ihm ein: Der Friedl! Am Ende geht dieser Racker aus! Er polterte die Treppe hinauf und in die Schlafstube seiner Söhne. Richtig! Friedls Bett ist leer. Der wagt was! Sollt’s schon der Vater nicht wahrnehmen, so nimmt’s der Student wahr. Und vor diesem schämt er sich nicht? – Er hielt den Leuchter über das andere Bett. Und – auch der junge Theolog ist nicht da …
Jetzt war noch die Sali erschienen. Als sie den Förster vor den leeren Betten stehen sah, starr vor Verblüffung, da eilte sie die Treppe herab, klammerte die Finger aneinander, indem sie dachte: Jetzt hab ich was angestellt! Mein Gott, jetzt hab ich was angestellt!
»Eierlocken werden sie sein gangen,« rief sie nachher.
»Ja freilich, Eierlocken! Jetzt bei der Nacht! Weiberleutschmecker sein s’. All zwei. Der junge Lecker auch schon, das krank Buberl! Ja, wohin soll man die Kinder denn geben zur Erziehung, wenn sie sogar im Priesterseminar nixnutzig werden! – Plutzersakermentsbuben! Wenn ihr heimkommt, freut euch!«
Er zog sich vollends an, ging in die Nacht hinaus und horchte. Das Rauschen der Ach. Er schaute in die Gegend hinaus zu den in Berg und Tal verstreuten Hütten. Bei welcher mögen sie Unterschlupf gesucht haben? Diese und jene fiel ihm ein, die so leichtfertig sein möchte. Er ging ums Haus herum. Im Hofe sprang ihn der Waldl an; geschmeichelt von dem Besuch zu solch ungewohnter Stunde wollte er des Hausherrn Gesicht belecken. Dieser schob ihn barsch von sich und schritt weiter.
Die kühle Luft brachte sein erzürntes Gehirn so weit herab, daß er den Friedl beinahe verstand. Denn er erinnerte sich zufällig, daß auch er einmal zwanzig Jahre alt gewesen war. Jetzt ist ihm freilich schon die Zeit der Tugend gekommen, da der Mensch vergißt, daß sich alles wiederholt.