In frischer Freud.«
Später auf stilleren Forststeigen war der Michel wieder einmal zu kleinen Betrachtungen aufgelegt. »Das ist der Unterschied,« sagte er, »der Holzknecht hat Sonntag, wenn er ins Wirtshaus geht, und der Wirt, wenn er in den Wald geht. Da hab ich einmal gelesen: Im Wald geht der Mensch spazieren wie durch seine Kindheit. Kann mir denken, wie’s gemeint ist.«
»Ja,« sprach der Förster, »der Wald ist auch unser Ahnensaal. Vor tausend Jahren sind wilde Menschen da gewesen, vor zehntausend Jahren wilde Tiere.«
»Und vor ungezählten tausend Jahren nichts als wilder Wald allein. Die Tanne soll ja der älteste Baum sein, noch aus der Eiszeit her.«
»Aus der Eiszeit. Und hat uns doch so viele Wärme aufbewahrt, wenn man an die Steinkohlen denkt.«
»Aber – ein Holzschlag, wenn man’s nimmt, ist was Trauriges,« meinte der Michel und betrachtete die gefällten Stämme.
»Warum? Ich mach’s nicht so wie der Kaiser, der – wenn Krieg ist – die Leut in ihrer besten Jugend schlagen läßt. Ich schlage den Baum mit achtzig Jahren. In früheren Zeiten hat man so einen Stamm hundertfünfzig Jahre stehen lassen können und noch länger, ist immer noch besser geworden. Bei euch draußen in Eustachen stehen ein paar Holzhäuser, die sind über zweihundert Jahre alt, und wenn das eingezimmerte Holz auch ungefähr so alt war, nachher kann man wohl sagen, diese Häuser sind noch vor der Entdeckung von Amerika gewachsen. Aber es ist ganz des Teufels, auch der Wald verlumpt. Das Knieholz am Rauhruck oben ist einmal hochstämmig gewesen, und diese stattlichen Fichten und Lärchen werden einmal Knieholz sein oder lumpiges Gestrüpp. Dazu gehört freilich mehr als ein hundertjähriger Kalender.«
Dann sprach der Förster, der nun so recht in seinem Bereiche war, von der Wesenheit der Fichten. »Die hat’s gern im Gestein, in Spalten, und erzeugt sich selbst den Erdboden aus den Nadeln, die alle Jahre abfallen. So schaffen sich auch andere Bäume ihre Scholle.«
»Wenn auch der Mensch sich seinen Boden selber machen könnte!« sprach der Michel.
»Das ist der Unterschied. Die Pflanze nährt den Fruchtboden, der Mensch verzehrt ihn.«