»Glaubst du nicht, daß wir gute Erde geben werden in Pfarrers Garten?«

»Habe nie gehört, daß auf dem Kirchhof bessere Erdäpfel wachsen als auf dem Acker mit Kuhfladen.«

Da lachten sie.

»So ein Baum«, meinte nun mit Schalkheit der Michel, »kann sich auch billiger hergeben, weil er sich billiger in Händen hat. Ein Samenkorn fällt zu Boden, und ohne viel Umstände steht ein kleines Fichtlein auf.«

»Ganz so einfach wirst dir’s nicht vorstellen dürfen,« sagte der Förster.

Noch besser als die Fichte kam bei diesen Betrachtungen die Tanne weg. Der Graf unter den Nadelbäumen. Sein feines Holz, seine köstlichen Öle, sein weiches Grün, der heilige Christbaum! Auch singen kann er. Die Resonanzböden der Zither, der Geige, der Laute, mein lieber Michelwirt, sind aus Tannenholz. Ist nicht bloß im kalten Norden, ist auch im klassischen Süden daheim. Den schönen Weibern des Kaukasus grünt die Tanne, die Banditen des Apennin verbirgt sie, den Spaniern schmückt sie die Altäre, den Hirten Arkadiens baut sie Hütten, und vom Libanon hat sie das Kreuz Christi geliefert.

»Und hier, sieh dir einmal diesen Lärchbaum an,« sagte der Förster, »so glatt und schlank und weich in seiner Jugend gewachsen, so verkrüppelt und verknorpelt ist er jetzt in seinem Alter. Aber die Gicht hat er doch nicht. Ich will ihn noch zwanzig Jahre stehen lassen. In der zarten Jugend läßt er sich gerne verdrängen von den Nachbarn; wird er aber einmal groß, dann zeigt er ihnen den Herrn. Er überdauert alle. Wenn alles fällt um ihn, er ist der einzige, der auf dem Schlage stehen bleibt. Im Winter wirft der Kerl seinen grünen Pelz weg und läßt sich vom Schneesturm auslüften. Davon mag es kommen, daß er so stark ist.«

Der Michel ging darüber hinweg und sagte: »Soll ja der Muttergottesbaum sein. Wenigstens bringen die ungarischen Wallfahrer der Maria in Zell grüne Lärchenkränze mit, die sie unterwegs gepflückt und geflochten haben, und mancher trägt aus dem Gebirg einen weißgeschälten Lärchenstab mit heim auf die Pußta. Wenn der Mann stirbt, wird ihm der Stab mit in den Sarg gelegt.«

Über die Kiefer, die in Fichtenwald eingesprengt war, sagte der Förster, daß sie durch Wohlleben in üppiger Erde leicht verdorben werde, auf schlechtem, dürrem Boden gedeihe sie um so frischer. Sie sauge so viel Sonnenschein in sich, daß sie den ganzen Winter über die Bauern mit Kienspanlicht versorgen könne. Selbst im Walde leuchten der Kiefer rote Stämme wie Glutsäulen auf in das Gewölbe der Baumkronen.

»Mensch!« rief plötzlich der Michel, »was höre ich da alleweil? So hast ja auch du dein Extrastübel! – Herzenskerl du!« Und umschlang heftig des Försters Nacken. Dieser legte auch seinen Arm über die Achsel des Freundes, und sie sangen hinaus in die hallenden Berge: