Und nach dem Mahle sagte der Michel: »So, jetzt heißt’s auf die Höh!« und bog ab, den Fußsteig nach der Twengalm.

Der Förster und sein Sohn Elias gingen über den breiten Bergrücken hinaus, zwischen jungen Fichten. Mehrmals hörten sie den Michel jauchzen auf seinem steilen Anstiege. Der Förster jauchzte zurück und eiferte den Studenten an, es auch zu versuchen. Dieser hätte es ganz gern probiert mit einem lustigen Juchschrei, aber er schämte sich und tat es nicht. Doch wenn er schon nicht jauchzen mag, so möchte er jetzt beinahe etwas sprechen: es ist ihm das Herz gar zu unruhig geworden. Diese Waldnatur! Dieser Kampf der Wesen, dieses Im-Gleichgewicht-bleiben und ewige Sieghaftsein des Gleichen! Diese wonnesamen Liebestriebe überall, und diese Geheimnisse … Fast war ihm, als flüsterte etwas: Elias, hier verlierst du deinen Glauben! Aber ein lebhafteres Gefühl wogte ihm durch Leib und Seele: Elias, hier findest du ihn! Wer hat dich aufgebaut, du schöner Wald? –

Als sie nachher auf einer Waldblöße rasteten, im Anblicke der weiten Landschaft, über Berg und Tal hin, bis zu dem ätherblassen Gebirgsstreifen, hinter dem die Welt erst groß anhebt, hier, so recht im stillen Sonnenfrieden des Mittags, sagte Elias mit leiser Stimme: »Vater, ich möchte mit dir einmal was reden.«

»Liebes Kind, so rede. Ich schaue dich ja schon lange auf das hin an, daß du was auf dem Herzen hast, und kommst nicht dazu, es zu sagen. Du weißt ja, daß du mir alles anvertrauen kannst. – Was hast du mir denn zu sagen, Elias?«

Diese Worte sind so grundgütig gesprochen worden, daß dem Jungen das Weinen näher stand als das Reden. Er schwieg noch ein Weilchen, und dann begann er seine Mitteilungen.

»Du wirst dich gewundert haben, Vater, daß sie mich für krank heimgeschickt haben, und daß ich doch nicht krank bin. Aber wenn ich hätte dort bleiben müssen –. Hab nimmer lernen können, nimmer essen und nimmer schlafen.«

»So bist du doch krank gewesen.«

»Vielleicht, Vater. Aber anders, wie sie meinen.«

»Heimweh?!« fragte der Förster.

»Ich glaube nicht. Dann hätte es die Jahre früher kommen müssen. Es ist was anderes gewesen.« Elias zuckte ab, schwieg ein Weilchen, und mit der Stimme leise zitternd, sagte er: »Den Glauben habe ich verloren.«