Nach diesem Abendsegen ging der Schustermeister in sein Bett, das oben unter dem Dache stand. Geselle und Lehrling legten sich nur halb ausgezogen aufs Stroh, das die Hausmutter zwischen Tisch und Werkstatt ausgebreitet hatte. Vater und Mutter gingen in ihr Stübchen, der Rocherl in sein Gelaß, das zu dieser Jahreszeit in einem Raume über dem Keller ist. Die Barbel nahm an der Stubenthür aus dem Gefäß mit den zwei Fingern ihren Weihwassertropfen und ging ernst und still in ihr Gemach. Der fremde Schlosser schaute ihr nach. Der doppelte Michelmensch siffelte in die Stallkammer und ich meinem Heustadl zu.

Mitten auf dem Hofe bleibe ich stehen und warte, bis der Schlosser aus dem Hause tritt. Als er nicht kommt, gehe ich nochmals hinein, es ist finster und still und bei der Thür des Mädchengemachs steht er. Was er da mache? — Ja, das Schloß studiere er, es sei ein altes, gar interessantes Eisenschloß, wie man solche nicht mehr viele finde. —

„Das wollen wir morgen besehen, wenn es licht ist.“ Damit habe ich ihn aus dem Hause und auf die Tenne geleitet zu seinem Stroh.

Auf der Tenne haben wir noch ein Wörtlein miteinander gesprochen. Ich hielt ihm vor, wie dumm er sich mit seiner neuen Lehre im Bauernhause ausgenommen habe. Sie hätten ihn zum Glücke nicht ernst genommen, sonst würde er jetzt wahrscheinlich Kreuzschmerzen haben. Er müsse schon stark verlumpt sein, so auf eigene Faust Socialdemokratie zu treiben. Ob er es nicht wisse, daß er mit solchen Grundsätzen längst allein stehe?

Hierauf behauptete er dreist, wenn man auch selbst nicht dran glaube, einfältigen Leuten müsse man so sprechen, sonst wären sie für nichts zu haben. Bei der Gleichheit würden sie doch anbeißen.

Da habe ich ihm gesagt: „Schänden Sie die Socialdemokraten nicht, die sind eine ehrliche Partei, sie verlangen ihr gutes Recht und wollen, denke ich, auch gewissenhaft ihre Pflicht thun. Sie aber gehören ins Zuchthaus.“

Und ließ ihn stehen bei seinem Stroh.

Hingegen hörte ich noch am selben Abende den alten Einleger zu seinem Weibe sagen: „Wir sind halt letze Leuteln. Wenn wir Rebellion machen, da lachen sie.“

„Laß nur Zeit, Michel. Bis erst unser Hieserl kommt, der wird schon stark sein.“

Der Hieserl, von dem man vor vielen Jahren die Knochen gefunden hat. —