Nicht allein die Menschen sind verrückt, auch die Zeit ist’s. Und sogar das Wetter. Mitten im Mai giebt’s bei uns Schneegestöber wie zu Neujahr. Kirschbaumblüten und Schneeflocken durcheinander. Das Rainhäuschen drüben hat ein Strohdach. Weil es leer steht, spricht der Adam davon, daß wir das Dach abtragen und damit unser Vieh füttern könnten. Denn wir haben in den Scheunen kein Futter mehr und auf der Weide liegt der Schnee so hoch, daß kaum die Zaunstecken herfürgucken.
Wir sind in der Stube gesessen und haben mal eins politisiert. So gut wie die Kannegießer kann’s auch mein Adam ohne Kanne. Der türkisch-griechische Krieg, von dem man jetzt so viel hört, gefällt ihm gar nicht übel. „Das ist gescheit, daß es dem Türken heimgezahlt wird, wie er vor Zeiten in unserem Land grausam sengen und brennen that! Und Leut’ einfangen.“ Aus der Pfarre Hoisendorf allein soll der Roßschweif dreiundsechzig Männer und Weiber in die Gefangenschaft davongeführt haben. — Als wir hernach vernahmen, daß die den Krieg angezettelten Griechen Schläge bekommen hätten, war es dem Adam auch recht: „Wer anfängt, der soll nur brav gehaut werden.“
Das war ein Messerchen gegen den zur Stunde anwesenden Holzhauer, genannt der „Toifel“. Aus dem Rudolf hatten sie einen Dolfel und aus diesem einen Toifel gemacht. Ein grober jähzorniger Mensch, der überall, wo ein paar Mannsleut beieinander sind, eine Rauferei anstiftet. Dieser bezog die Bemerkung des Hausvaters auf sich. Wie ein Tiger sprang er auf und fragte den Adam, ob das etwa ihn angehe? Ob er niedergelegt sein wolle, der Adam Weiler? Dann, möge er es gerade einmal sagen! — Da es in der Gegend Krüppel giebt, die „es gerade einmal gesagt haben“, so spielte ich den ehrlichen Diplomaten.
„An deiner Stelle thäte ich das nicht, Holzknecht,“ sagte ich. „Mit dem kränklichen Menschen da mir so den großen Ruf verpatzen, das wäre schon mein Letztes. Hast du Schneid, so weiß ich dir einen anderen, in der Stallkammer draußen ist er. Ein doppelter sogar. Der ist gar nimmer zu bändigen. Herren derschlagen will er gehen. Mit dem — möchte ich sagen — kann sich nur der Holzhauer Toifel messen, wenn er’s nit vorzieht, selber gegen die Herren zu gehen.“
„Was gehen mich die Herren an!“ knurrte er trotzig, immer wieder dem Adam zustrebend, „und der in der Stallkammer draußen geht mich auch nichts an.“
„So, der geht dich auch nichts an? Wo er just alle Tage ein paarmal prahlt: Wer ihn niederlegen wolle, der müsse früher aufstehen als der Toifel.“
„So! Hat er das gesagt?“ fragte der Holzknecht ganz geschmeidig. „Das Knäblein muß ich aufsuchen.“
Er ging hinaus, wir waren froh und sperrten hinter ihm die Hausthür zu.
„Mein Gott!“ jammerte die Barbel, „wenn er sie umbringt!“