Ich verewige den Saufüssel. Den Schleuderer! David der König hat in seiner Hirtenzeit die Schleudersteine nach dem Riesen Goliath geworfen, der Saufüsselbub nach der Schafherde des Adamshauses. Das war sein Pfingstfestvergnügen und ist es ihm gelungen, einem trächtigen Mutterschaf das Vorderbein abzuschlagen. Das hielt er wieder einmal für einen guten Spaß. Ich entledigte ihn des Kleides und habe auf seine Abachseite allerhand eindringliche Lehren geschrieben, eingedenk der Alten, daß man die wichtigsten Dokumente auf Pergament schreiben müsse. Darob will der Junge mich jetzt verklagen. Beim neuen Landboten, dem Kulmbock, der alles recht machen wird, an dem keiner vorbeikommt, der es nicht zuläßt, daß Lehrjungen thätlich berichtigt werden. Nach dem neuen Gesetz dürfen keine Lehrjungen mehr gezüchtigt werden. Überhaupt, wenn die Rebellion kommt, meint der Saufüssel, dann sei nicht mit den großen Herren anzufangen, sondern mit den hergelaufenen Bauernknechten. Er scheint sich schon so einen auf die Mücke genommen zu haben.

Der Kulmbock giebt’s jetzt groß. An den Werktagen wandert er in der Bauernschaft umher und sammelt Unzukömmlichkeiten, Beschwerden, Wünsche und Forderungen, um sie im Hohen Landtage vorzubringen. Dann wird er’s ihnen schon sagen, „denen, die uns alleweil niederdrucken möchten. Wir sind auch noch da, wir! Und Glasscherben fressen wir ihnen schon lang nit, wir! Mit den Soci spannen wir uns zusammen, da werden ihnen die Hosen schon bledern, denen gewissen!“

Am Sonntage nachmittags sitzt er zusammen beim Kirchenwirt, mit dem Kuraten. Der Kurat hält nichts von den „Socis“; die Konservativen, sagt er, die Geistlichkeit voran, die wären weit bessere Bundesgenossen. Darauf antwortet der Kulmbock: „An die haben wir uns lang genug gehalten, sie sind dabei alleweil stärker geworden und wir alleweil schwächer. Na, Gott sei Dank! Mich kriegt keiner herum! An mir kommt keiner vorbei!“

Ich sage dir, Freund, dieser Kulmbock ist der wahre Bauern-Bismarck!

Und nun ein Liedel vom verwundeten Mutterschaf. Der Rocherl als Leidensgenosse hat besondere Teilnahme dafür und wollte ihm in einem Winkel des Stalles aus frischem Stroh ein Lazarett errichten. Da kam die Schwester und bettelte ihm das Tier ab. Der Junge war voller Freuden, daß die Barbel einmal einen Wunsch aussprach und überließ ihr das Schaf auf der Stelle. Sie nahm das schwere Tier in die Schürze, trug es in ihre Kammer. Dort hat sie die Fußwunde mit lauem Wasser gewaschen, hat die Wolle herum weggeschnitten, hat ein Pechpflaster um das Bein gewunden, hat es mit Lappen verbunden und hat es in einen alten Korb gelegt auf weiches Haferstroh. Anfangs hatte das Tier ganz erbärmlich geschrien, dann lag es gar behaglich da und schaute aus den viereckigen Augen mit dankbarem Blick auf die Wohlthäterin, die ihm noch frischen Klee und laue Milch zum Abendbrot bereitete. Wir waren alle herumgestanden, um ihr beim Verbinden zu helfen, aber sie machte alles allein. Mittlerweile beguckte ich ihr Gemach. Der Spinnrocken, der blanke Linnenschrank, der kleine Nähtisch, am Fenster blühende Sachen. Sie besorgt mit solchen Dingen das ganze Haus. Gretchens Stübchen kennst du ja. Manchen von uns himmelstürmenden Fäustlingen hat Mephisto dahingeleitet.

Das gehört nicht hierher. Es ist nur ein Redeschmuck, ein dummer.

Als das Schaf anfing, neuerdings unruhig zu werden, sagte sie zärtlich wie zu einem Kinde: „’s thut halt schon wieder weh, gelt!“ Und hub an, den Korb sachte hin- und herzuschaukeln wie eine Wiege. Und dabei selber so ernsthaft, so betrübt.

„Daß sie denn gar nimmer will lachen!“ sagte nachher die Mutter am Herd. „Sie hat’s ja nit anders, wie vor und eh. Wer thut ihr denn was?“

Die alte Marenzel war gekommen und wollte gleich ins Stübchen zum Mädel. Da begann in ihrer Rücktrage das Dachshündchen auf das Schaf zu keifen, so, daß dieses entsetzt auf und davon wollte. Man hätte gemeint, daß sie es der Mutter des Schleuderers eintränken würden. Nicht mit einem Worte. Nur daß die Alte artig hinausgewiesen worden ist. In der kleinen Kammer sei frei kein Platz zum Niedersitzen, in der großen Stube könne sie besser abrasten. Dort nun fütterte sie ihr Hündlein mit Speck und gesalzenen Schnecken. Der Liebling lehnte ab, er war schon fett zum Platzen.

Als die Marenzel den Seufzer der Bäuerin hörte, warum das Mädel denn gar nimmer lache, packt sie mit ihrer Weisheit aus: