„Hast schon geschaut, Traudel, ob ihr die Fingernägel blühen?“
„Wem? Der Barbel? Die Fingernägel?“
„Wenn ihr,“ fuhr das alte Weib fort, „an der rechten Hand die Fingernägel blühen, so steht ihr ein großes Glück zu. Und wenn ihr an der linken Hand die Fingernägel blühen, so steht ihr ein Unglück zu. Und wenn ihr der Nagel am Ringfinger blüht, so hat sie den Milzschwund. Und wenn der Mensch den Milzschwund hat, dann kann er nimmer lachen.“
Wenn ich meinen lieben Philosophen richtig beurteile, so wird er jetzt die Nägel seiner Finger besehen, wie wir es gleich beim nächsten Abendessen gethan haben. An uns und heimlich an der Barbel. An der kleinen, rundlichen linken Hand hat sie nichts auffälliges, als daß dieselbe eben sehr schön geformt ist. Das kann er, der ewige Bildhauer, wenn er will! — An den rosigen Nägeln der rechten Hand, die gerade so schön ist, hat sie ein paar weiße Punkte. Schneeweiße, wie winzige Kirschbaumblüten. Die Hausmutter warf dem Adam einen bedeutsamen Blick zu. Sie kannte es, das Blühen war’s. Also helles Glück und kein Milzschwund.
Warum sie denn also einzig nicht lachen will!
Am nächsten Frühmorgen soll die Barbel einen Ruf der Überraschung ausgestoßen haben. Der Franzel hat ihn gehört und sich gedacht: Was jauchzet denn heut’ die Barbel schon in aller Frühe! — Hatte das graue Schaf im Korb ein schwarzes feuchtes Lämmlein bekommen. Nun beleckte es das Junge und die Barbel stand da und wußte nicht, wie ihr geschah.
Der Adam flüstert seinem Weibe zu: „Das ist recht, jetzt wird sie schon lustig werden. Jetzt hat sie was zum Gernhaben.“
Und sie fing an, das kleine zappelnde Wesen, das noch so unsicher auf den vier langen Beinchen stand, zu hegen und zu pflegen. Wir durften keines in die Kammer. Dem Rocherl gelang es aber doch am Nachmittage. Ein rotes Seidenbändchen hatte er im Papier. Das that er auseinander und ließ es flammen vor ihren Augen: „Kannst du das brauchen, Barbel?“