„Narr, da muß er ja verhungern!“
„Meinetwegen,“ sagt der Rocherl.
Wir kommen zur Hütte, die unter einer großen Wettertanne hart am Rain steht, am Abhang der Schlucht. Wir gucken rückwärts durch die kleinen, glaslosen Fenster hinein. Der Saufüssel kauert im Winkel mit zerfetzten Kleidern. Als er uns gewahr wird, springt er auf, faltet die Hände und wimmert: „Um Herrgottswillen bitt’ ich euch, laßt mich aus. So viel Hunger! So viel Hunger!“
Wir haben uns nicht lange mit ihm unterhalten.
„Du hast meine Schwester beschimpft!“ rief der Rocherl. Und der andere drin: „Deine Schwester ist —“ Und eine Geste mit den Händen, da habe ich genug gehabt.
„Rocherl,“ sage ich, „jetzt glaub’ ichs schon selbst, daß wir den jungen Mann noch ein paar Tage im Kotter lassen sollen, bis er etwas gemütlicher wird. Komm’!“
Lassen den Saufüssel schreien, bitten und fluchen und gehen davon.
Am Dienstag wollte ich ihm einen Krug Wasser bringen und nachsehen, wie es mit seiner Besserung stünde. Die Hausthür weit offen, der Vogel ausgeflogen. — Und am selbigen Abend beim Suppenessen sagt die Barbel: „Wenn sich heut’ das Kalbel nit in die Schlucht verlaufen hätt’, so möchten wir einen schönen Schreck derlebt haben, nächstens im Häusel. Der Schusterbub. Eingesperrt worden soll er sein! Vor vier Tagen schon. Hat gar nimmer reden können. Ist nur gleich hingefallen ans Bachel und hat so lang Wasser getrunken, bis ich ihn aufricht’ und sag: Mensch, du trinkst dich ja zu Tod!“
„Du hast ihn ausgelassen?“ fährt sie der Rocherl an.
„Gott Lob und Dank, daß es noch früh genug gewesen ist!“