„Nun eben! Der Adam bringt’s und die Eva trägt’s.“
„Die Eva!“ fährt er auf. „Ich leide es nicht. Das ist kein Vergleich. Als ob sie mich verführt hätte! Das ist ja das Verfluchte: die Schlange war ich. Das Mädel ist heute so unschuldig, wie vor einem Jahre. Und jetzt — leiden muß es sie. Sie allein. Wer eine Taschenuhr stiehlt, der wird eingesperrt. Wer einen jungen Menschen zerstört, der... Es ist ein abscheulicher Zustand. Ich sage es dir: Jeder soll sich hüten!“
„Meinst du damit etwas? Stelle du dich deinen Schulknaben als warnendes Beispiel auf. Ich brauche keines mehr. Meine Hundstage sind, sagen wir, größtenteils vorüber. Man verflucht sich nicht, man findet sich ab. — Mich interessiert heute nur zu hören, mein lieber Winter, wann du Hochzeit machen wirst?“
„Mich dünkt, Trautendorffer, du hast eben von dir selbst gesprochen. Hast du dich auch stets mit Hochzeiten abgefunden?“
„Ich sage dir, wenn es nötig gewesen wäre, gewiß! Man bequemt sich den Kreisen an, in denen man lebt.“
„Das denke ich auch,“ entgegnet der Lehrer. Und setzt bei: „Was meinst du von der Bauernschaft? Wird jeder Bursch’, der ein Mädel gerne hat, dasselbe gleich allemal heiraten? Und fragt der Bauer, der später die Braut heimführt, ob er der Erste sei?“
„Teufel, was sind das für Ausflüchte!“ fahre ich auf.
„Ich meine nur, wenn man sich den Kreisen wollte anbequemen, wie du gesagt hast. Ich weiß ja, was zu thun ist.“
„Na, das denke ich auch, Guido, daß du dieses Mädel nicht mit anderen Bauerndirnen vergleichen wirst. Diese Adamshauserleute, das sind Sonntagsmenschen, mein Lieber! Obschon ihr äußeres Leben ein einziger, lastvoller Werktag ist. Wäre ich ein junger Königssohn, mit Demut würde ich werben um dieses Bauernkind. — Ja, ja, sieh mich nur an! Du weißt es schon lange, daß ich sie liebe. Heute ist diese Liebe allerdings noch eine fromme Schwester, um mich deiner Poesie zu bedienen, aber sie könnte einmal etwas anderes werden. Sie könnte eine Rächerin werden, verstehst du?“
„Hans, es scheint, daß du mich für eine Kanaille hältst.“