Am Tage unseres Auftriebes sind auch von anderen Seiten die Nachbarstriebe heraufgekommen, Halter und Senninnen, die auf der Alm ihre Milchwirtschaften einrichten über den Sommer. Lustig ist es hergegangen. Das Kuhgeschelle, das Blöcken der Rinder auf den Weiden, das Jauchzen der Bergfrohen, das Hin- und Herrufen der Ankommenden und das Blasen der Alphörner, hier „Flatschen“ genannt — allzusammen mir ein ganz neues Rauschen des Lebensstromes.

Von der Nachbarsalm ist ein Hirte da, ein alter borstiger Besen. Als ringsum die Kuhschellen schrillen, ruft er: „Leut’, sie thun schon zusammenläuten zu der Predigt.“ Springt auf einen Holzschragen und singt in Predigerton das Lob der Almdirndeln. Ihre Nächstenliebe! Ihr Gerngeben! Und ihre große Züchtigkeit faßt er schließlich in dem Vierzeiler zusammen:

„Zum Dirndel ihrem Kamerl

Is a dicke, an eichnene Thür,

Hat a dreifaches G’schloß

Und als Riegel — is a Strohhalmerl vir!“

Vom Kulmbock ist die Tochter da, eine üppige Rundlichkeit auf und auf. Der Rocherl nennt sie einen „harben Kerl“. Was er damit meinen mag? Diese anlebigen Augen unter ihrem Strohhut! „Es ist Feuersgefahr, meinst du nicht, Rocherl?“ Fortwährend schalkt sie über den Zaun herüber, um einzufädeln, und wenn ihr mein Junge was hinüberstichelt, giebt sie’s derb zurück. Und der Rocherl verdoppelt es keck und da habe ich meine Wunder gehört, was die für eine Sprache führen, wenn Vater und Mutter weit weg sind.

„Ich kenne dich nicht, Rocherl!“ ist mein Aufwecken. „Wenn so was deine Schwester hörte!“