„Soll ich sie dir verbinden? Du hast sie heute so aus der Schlinge geworfen.“

„Ich weiß ein anderes Mittel,“ sagte er, „und das will ich probieren. Wo hast du den Ruckkorb hingestellt? Ich hab’ Hexenkraut mitgenommen. Wenn’s dem Vater hilft, kann’s mir auch helfen.“

In seinem groben Hemde ging er in den Winkel, wo der Korb stand, kramte etwas hervor und nicht lange, so stand er an der Herdglut und atmete gierig den Rauch des glosenden Krautes ein.

Zur Stunde habe ich mich erinnert, daß das Hexenkraut ein Früchtel aus dem Mittelalter ist, welches durchaus keinen guten Ruf hat. Damals hat man es „Liebesklee“ genannt, der berückenden Träume wegen, die es hervorgebracht haben soll. Nun, seither ist das Unkraut älter geworden und anstatt, daß es arme müßige Seelen in den Irrgärten der Liebe umherführt, widmet es sich jetzt der christlichen Barmherzigkeit, stillt Lungenkrämpfe und die Schmerzen übel geheilter Schußwunden. Der Adam wird allemal recht ruhig davon. Und der Rocherl, nun der ist auch ruhig geworden. Ganz fest und auch süß mußte er schlafen, denn kein Atemzug war zu vernehmen her von seinem Heu.

Schon nach Mitternacht ist’s, daß mich ein Lärm weckt. Er kommt von den Nachbarhütten. Ein Poltern, Schreien und Fluchen.

„Rocherl!“ sage ich, „hörst du nichts? Mir scheint, sie raufen.“

Er hört es nicht und steht nicht auf. Soll sich ausschlafen, denke ich, verlasse mein Lager, suche im Dunkeln die Rindspeitsche und gehe hinaus. Und finde die Kerle draußen vor der Kulmbockhütte im Handgemenge. Zwei Halterburschen haben einen dritten unter sich, auf den sie mit Fäusten losdreschen. Ich lasse eilig meinen Riemen zischen, da fahren sie auseinander, und wer sich schwermütig vom Boden erhebt und die Sterne des Himmels in sein verknülltes Gesicht schauen läßt, das ist mein Rocherl. —

„Teuxel noch einmal!“ knurrt er und macht mit der einen Hand, als wolle er sich den Rücken glatt streichen. „So was ist mir auch noch nit passiert.“

„Haben sie dir stark aufgeladen?“

„Meinetwegen, sie kriegen es schon zurück. Aber die andere Dummheit. — Zu der Kulmbockischen hat er mich tragen wollen, der Teuxel!“