„Hast doch schon so fest geschlafen!“
„Ich? — Ja die Hand, die ist bald gut gewesen auf das Rauchen. Nachher —“ Mit ärgerlichem Lachen hat er’s einbekannt, daß ihm auf einmal so absonderlich geworden sei. „Bin ganz munter gewesen und hab’ gemeint, es müßt sein auf der Stell. Aufgestanden bin ich und zu der andern Hütten hinüber. Vor der Thür sind wir zusamm’kommen, der Gleimer-Jockel und der Wendhoferische. Na, die sollen sich g’freuen! Sei so gut, Hansel, binde mir jetzt die Hand ein. Saggra, das grabt! — Das ist wieder einmal eine Dummheit gewesen!“
Ja, Philosoph, es ist ein himmelweiter Unterschied, ob das Kraut von einem alten Manne angewendet wird, oder von einem jungen.
Nächstens muß ich’s doch selber probieren.
Neunundzwanzigster Sonntag
Am neunundzwanzigsten Sonntage.
Nun heben die Feste an. Es beginnt das Ernten.
Zuerst reift uns das, woran wir das geringste Verdienst haben. Wasser leiteten wir auf die Wiesen, das war so ziemlich alles. Das Wasser löst in der Scholle die gebundenen Kräfte und nun steht die üppige Halm-, Blätter- und Blumenwildnis da. Am Morgen heben sich die taufeuchten Knospen empor, im jungen Sonnenschein entfalten sie sich und lachen in allen Farben den ganzen Tag. Und schaukeln im Winde ihre Glocken und Kronen, umtanzt und umworben von summenden Hummeln und flammenden Faltern. Gegen Abend senken sich die Blumen müde niederwärts und schließen sich zu und die kleine unendliche Tierwelt birgt sich unter Blättern und im Wurzelgeflecht. Immer möchte man dastehen und die Herrlichkeit betrachten, anstatt dessen muß man sie mit der Sense zerstören. Das gehört auch zum Menschenfluch — er macht die Blume zu Heu!
Freund, das Mähen ist schwer! Die härteste Arbeit im ganzen Jahr! Damit entschuldigt mich der Adam, wenn’s nicht klecken will. Schon die Vorbereitungen deuten auf Außerordentliches, so das schallende Dängeln der Sicheln am Vorabend, so der kräftige Weckruf am Morgen, so das stattliche Frühstück um sieben Uhr früh auf der Wiese. Aber du mußt vorher drei Stunden mähen. Taunasses Gras schneidet sich besser als eins, das die Sonne gewelkt hat. Schon seit einigen Wochen hatte ich mich geübt in der Führung des grauenhaften Messers und spiele nun leidlich den Sensenmann, blühendes Leben vor mich niederzulegen in langen Machden, die hinterher der Franzel mit der Holzgabel auseinander streut. Der mit Wasser und Stein gefüllte Wetzkumpf hängt mir hinten, so wie euch der Zopf. Aber unten am Gürtel. Und nach jedem dritten Dutzend Hiebe ins Gras — die Sense zählt fast jeden Streich mit einer kleinen Scharte — muß sie geschärft werden mit dem Wetzstein. Schüttest du dir ungeschickterweise beim Bücken das Wetzkumpfwasser über den Kopf, so magst du den Stein nachher ins nasse Gras tauchen; ausgelacht wirst nicht, weil jeder mit sich selbst zu thun hat. Die Reihe bei uns ist nicht lang. Voran der Hausvater, der in seiner blädernden Leinwandhose gebückt und weitbeinig dasteht und mit jedem Hieb einen Schritt weiter schleift. Dann meine Wenigkeit mit ihren unterschiedlichen Nöten; hinten die Hausmutter, die sehr schneidig dreinmäht und mir stets hart an den Fersen ist. Es ist eine schreckliche Marschroute, Stund’ für Stund’. Zum Glücke hat man dabei keine Gedanken, man schwitzt alle heraus.