Ich eile ins Haus: „Mutter, schauet geschwind hinaus. Der Vater ist närrisch worden!“
„Jesses, der Klee!“ ruft die Hausmutter und schreit zum Fenster hinaus: „Huß, huß, Bismarck!“ Und der Rocherl springt zur Wiese hinab, reißt vom Haselbusch eine Gerte und jagt das arme Rind wieder auf, weil es schon hingefallen ist.
O ihr verdammten Bestien! denke ich und eile auch hinzu. „Reitet euch denn alle der Teufel, jetzt auf einmal!“
Sie zerren die Kuh bei den Hörnern weiter, sie schlagen mit der Gerte auf sie ein und der Hund läuft im Kreise herum, bellt und schnappt manchmal in das Bein des Tieres.
Da fängt an diesem plötzlich etwas an zu gurgeln.
„Sie windet, sie windet!“ ruft der Rocherl.
„Nachher ist’s gut,“ sagt der Adam und bleibt stehen. „Jetzt führ’ die Braune in den Stall und schau, daß sie kein Wasser kriegt!“
Und des Rätsels Lösung ist die: das Rind war von seiner Grasweide unvermerkt auf das Kleefeld gekommen und hatte sich dort satt gefressen. Aber die üppige Pflanze hub an zu gären und hätte der Kuh den Magen gesprengt, wie der Adam sagte, wenn durch das heftige Jagen nicht Wandel geschafft worden wäre.
So sehen bei uns die Parforcekuren aus.
Vor einigen Wochen war derselben Kuh wegen ein kleiner Familienzank. Das Thier benahm sich des Morgens ganz wider seine Gewohnheit sehr unruhig, lautete fortwährend, bockte an den andern Rindern herum und da sagte der Adam, die Barbel und der Franzel sollten halt die Braune zu Nachbars Jodel führen. Das Mädel antwortete gedrückt, das möge es nicht gerne thun. Der Vater war darüber betroffen, daß sie — die doch sonst in allem so willig ist — auf einmal weigerlich würde. „Seit Jahr und Tag,“ sagte er, „führst du die Kühe zum Jodel und jetzt auf einmal der Unwillen! Das versteh’ ich nit!“ Es ist dir eine empörende Einfalt in diesem Alten, es ist der platte Adam vor dem Sündenfall. Die Mutter hat ihm nahe gelegt, daß die Zeiten sich halt ändern thäten, so hat der Vater den Kopf geschüttelt und mit der Kuh den Franzel und mich zum Nachbar geschickt. Mir war das gerade einmal recht und ich wollte den vierzehnjährigen Knaben beobachten. Es gab aber nicht viel zu beobachten. Dieweilen der Jodel mit der Kuh seine Scherze trieb, schnitt sich der Knabe auf der Wiese eine Germe ab, höhlte den Stengel durch und versuchte daraus eine Blaspfeife zu schnitzen.