Ganz so harmlos ging es heute beim Mittagsessen nicht zu. Es war die Barbel wieder einmal nicht vorhanden. Sie habe Zahnschmerzen und könne nichts essen. Die Hausmutter war ausnehmend weich gestimmt und gesprächig. Sie erzählte so nebenhin manche Neuigkeit von einer Bekannten in Krosbach. „Eine soviel brave Person, die Gutheit und Bravheit selber. Ein einziger Fehltritt, mein Gott, das junge Blut und das Gernhaben! Ist ihr halt auch so ergangen, wie es seit der ersten Menschenmutter Weltlauf geworden. Mein Gott, es ist ja nichts neues. Schon bald, wie der Vetter Krisost einmal gesagt hat, daß es in Krosbach wäre: Eine Schand für eine junge Dirne, wenn’s nit ist. Zeit und Weil ist ungleich. Ehevor ist’s freilich großmächtig gefehlt gewesen, jetzt macht man sich schon bald eine Ehr’ draus. Die Schlechtesten, meint der Vetter Krisost, wären es eh nit, die Malheur haben.“

„Der Vetter Krisost ist ein Strick“ fuhr der Hausvater drein. „Die Lüderlichkeit schön machen, das thät’ g’rad noch fehlen. Im Adamshaus wird so was wohl doch nit vonnöten sein!“

Die Hausmutter kam nicht weiter in ihrer Erzählung von der Bekannten in Krosbach. Hingegen fragte sie, dieweilen ihr bloßer, magerer Arm in der Schüssel das geschmälzte Kraut umrührte, leichthin, wer heute bei der Predigt gewesen wäre? Ob nicht das Evangelium vom Pharisäer und Zöllner ausgelegt worden sei?

„Das ist heut’ nit,“ antwortete der Adam. „Heut’ ist dasselbe, wie der Herr Jesus viertausend Leut’ mit dem wenigen Brot gespeist hat.“

„So werden wir auch nit verhungern, wenn um Eins mehr wird,“ sagte sie.

„Wieso?“ fragte er dumpfig. „Du meinst, wenn der Valentin auf Urlaub heimkommt?“

Hat aber den zerrissenen Roggenknödel auf dem Teller liegen lassen, hat nichts mehr gegessen und ist’s gewesen, als wäre wieder so etwas wie der Dampf in Anzug.

Ich glaube, er ahnt. Nur nicht wahr haben will er’s.

„Kleine Kinder, kleines Kreuz, große Kinder, großes Kreuz!“ sagte noch die Hausmutter mit einem Seufzer.

Er fing an, die Achseln in die Höhe zu schieben, den Hals einzuziehen, die Brust schwer zu heben und stöhnte: „Mutter, den Rauch!“