Während der Hausvater und sein ungeschickter Knecht, die Hausmutter und ihr flinker Franzel die Garben schneiden, binden und hübsch gleichzeilig auf die Stoppeln legen, trägt der Rocherl sie mit dem einen Arm zusammen in „Hüfeln“. An diesem ersten Tage haben wir zweihundert Garben geschnitten, die nun in schütteren Reihen dalagen wie auf der Bahre, manche noch mit der leuchtenden Mohnblume geschmückt, oder der bläulichrot schimmernden Kornrade. Als es dunkel wurde und das Gras schon kühl und feucht war zwischen den Stoppeln, da sind die andern in den Hof gegangen, um dort noch häusliche Arbeiten zu verrichten. Der Adam und ich sind auf dem Felde geblieben, um aus den Hüfeln, die zu sechs Garben stark sind, die „Deckeln“ aufzustellen. Er stellt je fünf Garben auf den Kopf, so daß sie mit ihren Ähren aneinander lehnen wie Gewehrpyramiden im Soldatenlager. Dieweilen ich diese festhalte, daß sie nicht umfallen, biegt der Adam aus der sechsten Garbe den „Hut“, eine Art Helm, den er dann aufstülpt. So wird das „Deckel“ von diesem Hute zusammengehalten und bei Regenwetter vor Nässe geschützt. Die Tropfen sickern nicht durch, sondern gleiten an den zu allen Seiten niederhängenden Halmen nach außen hinab. So läßt man nun die Deckeln etliche Tage in der freien Sonne stehen und trocknen, dann kommt der große Leiterkarren, auf dem die Garben in hohen „Tristen“ zur Scheuer geheimt werden.
Du hast dein Lebtag schon so viel Überflüssiges gelernt, mein Doktor, Professor und Philosoph, daß dir dieser eingehende Unterricht über eine Kornernte im Gebirge kein besonderes Bedenken zu verursachen braucht. Wenn du dir alle diese Garben einprägst, so wirst du zwar viel Stroh im Kopfe haben, aber auch viel Ähren! — Ach, daß man noch witzig sein will bei solchem Unglück! Schon heute haben wir Abschied zu nehmen von der erst begonnenen Ernte. — Ich mag dir erst noch ein kleines Gespräch erzählen.
Es war schon finster geworden. Im Grase zirpten die Heimchen, daß es wie ein ununterbrochenes Klangrieseln war über das weite Feld hin. Hüpfende Heuschrecken schnellten kleine Tautropfen an unsere Hände. Der schwarze Himmel war voll funkelnder Sterne. Mein Adam setzte sich auf eine Garbe, trocknete den Schweiß und atmete schwer. Als er so, das Gesicht gegen den Himmel gewendet, ein Weilchen geruht hatte, sagte er leise: „Wenn wir einmal dort oben sind — allemiteinander!“
„Damit hat’s Zeit, Vater!“ antwortete ich.
„Es ist halt hart,“ sagte et. „Keins von meinen Leuten möcht’ ich überleben. Und wenn sie mich müßten ins Grab hinablegen, thäten sie mir wohl auch erbarmen.“
Darauf ich: „Da wüßte denn der liebe Gott mit dem besten Willen nicht, wie er es einrichten sollt’.“
„Es ist so, es ist so, Hansel. Wir sind all’ zu herzkrank. All’ zu herzkrank sind wir. — Wenn ich’s nur nit gar so lieb thät haben, das Dirndel!“
Ich wollte schon eine Antwort geben, da erhob er sich mühselig und sagte: „Wollen wir halt schauen, daß wir in Gottesnamen fertig werden.“
Dann deckelten wir den Rest der Hüfeln auf und gingen langsam heimwärts.