Sind zwischen den fruchtprangenden Feldern hingegangen, so daß die wiegenden Ähren unsere Wangen gestreichelt haben. Sollen morgen unter die Sichel kommen. Die Luft war wie eine weiche betäubende Last. Der Sternenhimmel funkelte fast heftig, so daß die Zacklein rundum nur so hinaussprühten. Und wenn man hinaufschaute, so war es, als sinke und sinke alles hernieder. Und dabei flogen immerwährend die grellen Streifen der Sternschnuppen über das Himmelsrund hinweg.

Der Adam blieb einmal stehen, stützte sich an den Stab, atmete hoch auf und sagte: „Wenn man’s betrachtet! — Die Allmacht Gottes!“ — Dann stieg er wieder an.

Ob ich meiner Tage noch ein christliches Buch aufschlage, oder nicht, ich weiß nun, was Religion ist. Vor keinem Lehrstuhl hab’ ich’s erfahren können. Auf dem freien Felde hat’s mich ein Bauer gelehrt. — Sieben oder acht Stunden später, mein Freund, haben wir ein anderes Kapitel erfahren von der Allmacht Gottes.

Wüstes Sausen und Brausen weckt mich auf. Ich springe hinaus ins Freie. Ein seltsam gelbes Licht zwischen Nacht und Morgendämmerung. Ein schwefelgelber Himmel sinkt nieder auf die Bergwipfel und über die Waldhöhen her wälzt sich ein ungeheuerer Wolkenballen, unter dessen Wucht die Bäume wie Grashalme niederknicken. Ein Prasseln und Schmettern überall, so daß aus ihren Gelassen die Hühner aufflattern, schlaftrunken kreischend, und im Stalle brüllen die Rinder. Von unserem Hausdache springen Giebelbalken und Firstlatten los und tanzen hoch in der Luft wie Geier mit langen Schwingen. Noch sehe ich an der Hausthür den Adam im Nachtgewande, da werde ich zu Boden geschleudert, mit Knütteln und Steinwürfen bearbeitet, wie mich dünkt, und aufspringend, um mich zu wehren, habe ich’s mit wuchtigen Eisknollen zu thun, die niedersausen überall. Unter das Streuhüttendach noch taumele ich hin, von welchem die Schindelsplitter fliegen, so leicht wie Apfelblüten im Maiwind. Schon bin ich eingeschlossen von einem wilden Gespinst, dessen niederstrählende Fäden sich kreuzend zu einem lebendigen Gitter weben. An die Dächer, an die Wände prallen die Schloßen und schnellen wieder zurück und mancher eigroße Knollen zerschellt in Trümmer. Durch den Hof schießt, die Werkzeughütte durchbrechend, ein Bach herab, Balken, Räder und Karren mit sich treibend. Förmliche Eismoränen wogen heran und der Lärm ist so, als wäre ringsum ein Wasserfall, eine Feuersbrunst und eine Schlacht. Mein Versuch, ins Wohnhaus hinüber zu laufen, mißlang, ebenso auch der, in den Stall zu gelangen. Allein zwischen undurchdringlichen Naturgewalten harrte ich in der Streuschichte aus das Niederbrechen meines Daches.

Freund, ich habe bisher nichts Ähnliches erlebt, mir ist jetzt nachhinein alles so traumhaft. Man ist so ganz befangen von dem, was geschieht und wartet nur auf den Verlauf und kann gar nichts anderes denken als: Will’s denn nicht aufhören? Will’s denn nimmer aufhören! — Wie lange es gedauert hat, darüber gehen die Meinungen auseinander von fünfundzwanzig Minuten bis zu einer Stunde.

Als es vorüber war, kamen sie mir entgegen vom Hause her, über das knisternde Eis. In tiefgerissenen Gräben brandete ein wüster Brei von Wasser, Erdreich und Schloßen herab. An den Bäumen und Dächern hingen die Fetzen nieder. Alle Wiesen, Matten und Felder schneeweiß nur von schwarzen Gießschrammen durchzogen. Die Luft war kalt wie im Winter. An den Bergen strichen Nebel hin.

Sie sind totenblaß. Der Adam tritt zu mir: „Ist dir wohl nichts geschehen, Hansel?“

„Seid ihr alle?“ frage ich zurück, denn ich sehe die Barbel nicht sogleich. Dort oben an der Hausecke steht sie wie eine Bildsäule und schaut hin in den weiten, leuchtenden Winter. Ganz vergeistigt, ganz verklärt sind ihre Züge. Und auf den Hohlweg blickt sie hin, der von Hoisendorf heraufführt. — Jetzt kann aber niemand kommen, in kreuz und krumm liegen die Baumstämme und niedergebrochenen Äste über den Weg.

„Gott Lob und Dank, das Haus steht noch!“ sagte der Adam.

„Und die Arbeit ist auch gethan,“ setzte die Hausmutter bei. „Dieses Jahr hat er nit lang gedauert, der Kornschnitt!“