Was soll ich dir sagen, Alfred? — Nach wenigen Minuten ist’s vorbei gewesen.

Das war gestern, als am 14. August.

Vierunddreißigster Sonntag

Am vierunddreißigsten Sonntage.

Welch eine Wucht von Drangsal und Trübsal in diesem Hause! — Mit einem Schlag bin ich in den Mittelpunkt versetzt, als wäre ich Hausvater und Bruder. Alle stützen sich auf mich und weinen. Alle schauen zu mir um Rat, was jetzt zu thun sei. Aus welch frevelhaftem Grunde bin ich in dieses Haus gekommen und welch ernste Menschenpflichten haben meiner hier gewartet? Wenn die heilige Last dieses Standes und das Erbarmen mit den Duldern mich nicht einigermaßen geläutert hätten, wie wäre ich diesen Tagen gewachsen! Hier der tote Vater, hier die gefallene Tochter, hier der von unheimlichen Leidenschaften bethörte Krüppel, hier der Soldatenflüchtling — und über allem der wirtschaftliche Zusammenbruch des Hauses!

In der Nacht, da ich verwirrt und ratlos auf meiner Truhe saß, kam mir ein Gedanke, für den ich mich hätte peitschen mögen wie einen feigen Hund. — Was hält dich denn fest in diesem Jammerhause? Nimm den Stecken und geh davon. Im Vordergai brauchen die Bauern jetzt auch Leute. — Teufelseinflüsterung, verfluchte! Wer denkt noch an die thörichte Wette! Mein Platz ist hier und nirgends als hier. Das will ich doch mal sehen, ob aus dem Haderlumpen, der ich war, ein treuer Mensch werden kann, oder nicht!

Nur dir muß ich schreiben dürfen, Alfred, nur du darfst mir dein gutes Wort nicht versagen. Dann will ich’s versuchen zu leisten, was jetzt von mir verlangt wird. Und nun höre die weiteren Berichte aus dem Adamshaus.

Als bei jenem Mittagsmahle der Adam gestorben war, da habe ich es zunächst nicht glauben können. Derselbe Mensch, mit dem ich eine Stunde vorher gearbeitet hatte oben bei der Brunnenquelle, der zu mir noch gesprochen hatte, wie ein Mensch zum andern spricht — der lehnt jetzt da im Wandwinkel, wird blaß, wird kalt und starr. Wie wir seinen Namen auch rufen, sein Gesicht begießen mit kaltem Wasser, seinen Leib schütteln und rütteln — das Auge ist gebrochen. Als ob ihn gewisse Mittel noch retten könnten, so thut die Hausmutter. Sie ruft die Heiligen an, sie trifft Anordnungen zum Laben und Aufwecken, sie spricht ihm zärtliche Worte zu, sie macht Gelöbnisse, sie betet den Sterbesegen. — „Aber Vater, was ist denn das? So krank werden jetzt auf einmal! Wart’ nur, der kalte Guß, der schreckt dich schon wieder zurück. Das ist doch ein Unsinn, wie es dich wieder packt. Keinen solchen Dampf hast wohl schon lang nit gehabt. Unsere liebe Frau wird’s noch einmal machen. Nur einmal noch hilf ihm, liebeste Mutter Gottes! Am heiligen Christtag und Ostertag will ich fasten dir zu Ehr. Keine Nacht länger als fünf Stunden will ich schlafen — nur einmal weck’ ihn noch auf, Maria, unsere liebe Frau!“ —