Da dachte sie: Es kann wohl wer gestorben sein. Zog mit dem Daumen über ihr weißes Gesicht ein Kreuz und betete still ein Vaterunser. Da dachte der Lehrer: Armes, gutes Kind, du betest für deinen Vater und weißt es nicht. —
Dann sagte sie: „Du solltest ja daheim sein, Guido, wenn es zum Läuten ist.“
„Es läutet der Schmied.“
„Man hat nichts gehört, daß wer krank gewesen wäre.“
Sagte der Lehrer: „Mein Gott, es giebt doch kränkliche Leute in der Gegend. Der alte Gleimer zum Beispiel. Der hat ja immer so viel Atemnot, hört man, und herzleidend soll er auch sein. Der Mensch ist halt keine Stunde sicher.“
„Müßt’ wohl hart sein,“ sagte sie ganz leise, „so wen verlieren, wen lieben....“
„Du hast recht, es ist immer ein Schmerz, wen’s trifft. Aber endlich bleibt es keinem aus, und doch ist’s noch besser, es drücken Kinder den Eltern die Augen zu, als umgekehrt.“
Wie er so gesprochen, da hat die Barbel angefangen unruhig zu werden. Und plötzlich sagte sie: „Ich will aber doch jetzt heimgehen.“
„Es ist noch Zeit, mein Schatz. Gönne dir den schönen Tag.“ Er hielt sie an der Hand. „Siehe doch, wie es schon wieder zu grünen anhebt auf dem zerschlagenen Rasen.“