Ich konnte kaum erwarten, bis der Schelm ausgeredet hatte. Nun trete ich vor: „Liebwerter Herr! Was der Wald vom Rain hinüber bis zum Felswändel ausmacht, das wären auf Ihr gütiges Anerbieten in fünf Jahren zu dem Kapital etwa zweihundert Prozent Zinsen.“
„Sind Sie Hausherr?“ fragt er mich süßlich.
„Nein, bloß Hausknecht!“ sage ich, packe ihn am Arm, führe ihn zur Thür hinaus, weit über den Anger hinab bis zum Bretterzaun und werfe ihn darüber hinweg.
Nach diesem Tagewerk habe ich meinen Samstagfeierabend gemacht und mir die Nachtmahlsuppe schmecken lassen. Verdient, glaube ich, war sie. —
Und jetzt eine andere Idylle. Kam vor etlichen Tagen ein Holzarbeiter aus den Waldgräben zu uns ins Haus gesprungen und er wolle gar Branntwein haben! — Die Hausmutter erkennt ihn als den Toifel, einen halbblöden, berüchtigten Gewaltmenschen, und antwortet ganz gütig: „Lichtenberger, wie er vom Brunnenrohr herausrinnt, oder eine Schüssel Milch. Anderen Trunk giebt es halt nicht bei uns.“
„Ich muß Branntwein haben!“ knurrt er, kauert sich in den Wandwinkel und schnaubt wie ein Eber. Wir kennen uns nicht aus, hat ihn aber keins gefragt, was ihm ist. Seine Augen sind gerade wie zwei schiefe Hacken, mit denen er uns anscheinend am liebsten zerrissen hätte. Bald darauf kommt der Knecht vom Gleimer und ob wir die Neuigkeit schon wüßten? Der alte Michelmensch wäre erstochen!
„Der Doppelte?“ fragen wir.
„Nein, sie lebt noch. Er liegt in der Totenkammer.“
„Lügen thust!“ schreit der Toifel von seinem Winkel her. „Gestochen hab’ ich, aber nit grob.“
„Er liegt in der Totenkammer!“ wiederholt der Gleimerknecht.