Darauf hebt der Toifel an zu brüllen wie ein Stier. Dann kniet er vor mir nieder: „Bitt’ dich gar schön, mein Adam, wenn du mir schon keinen Branntwein giebst, so thu’ mich halt binden und stell’ mich zum Gericht. Jesses, Jesses, jetzt hab’ ich den alten Michel umgebracht!“

„Aber warum? Warum? Mensch, warum?“

Das weiß er nicht. Am Hüttbauernhaus sei er vorübergegangen, seine Holzknechtkraxe auf dem Buckel. Da sei ihm jäh der alte Einleger mitten im Weg gestanden. Steh auf die Seiten, Michel! habe er ihm zugerufen. Der Alte hätte sich nicht gerührt, hätte trutzig gesagt: Steh du auf die Seiten! Darauf habe ihn der Toifel noch einmal gefragt: Wird’s? Und der Michel habe gesagt: Na. — Ist gut, so räum’ ich mir selber den Weg! Darauf der Toifel und stößt dem Alten das Messer in den Leib. Au! lacht der Michel, so viel kitzeln thust mich! kauert sich zusammen, fällt um und ist tot. — Auch der Knecht hat es so bestätigt.

Noch in derselben Nacht haben wir das Ungeheuer nach Kailing geführt zum Gericht. Als wir in Hoisendorf an der Totenkammer vorbeikommen, wo am Fenster ein Lichtschein flimmert, sagt der Gleimerknecht zum Toifel: „Willst hineinschauen beim Fenster, was der Michel macht?“ Der Toifel hastet weiter. Nur einmal, bei der hohen Brücke unten steht er still, thut einen Seufzer und sagt zu uns: „Die Herren draußen werden Umständ’ machen. Laßt’s mich hinab da ins Wasser.“

Auf dem Heimweg haben wir den Toten angesehen. Sein Weib, nun schon gar ein altes Mütterlein, ist emsig beschäftigt, mit einem Waschlappen die Blutkrusten von der Brust zu waschen, von der schneeweißen Brust. So gleichgültig, als ob sie ein Kleidungsstück reinigte für den Sonntag. An der linken Seite die klaffende Wunde, wie absichtlich ins Herz gezielt. — „Ungeschickt, ungeschickt Kind!“ sagt die Alte vor sich hin, „noch ein rechtes Glück, daß nicht mehr geschehen ist!“

„Was meint sie denn?“ frage ich den Gleimerknecht. Der hat mir folgendes gesagt. Die Alte hätte in früheren Jahren einen Sohn verloren und sich immer eingebildet, er wäre noch am Leben und würde eines Tages wiederkommen. Und jetzt hielte sie den Toifel aus den Wäldern für ihren Sohn, der herfürgegangen sei, um den Vater zu herzen. Zu herzen! —

So ist sie irrsinnig geworden, die arme Alte. Und wohlgemut geblieben.

Verstehst du solche Sachen, Philosoph? Ich nicht. Es müßte denn sein, daß wir betrübte Adamshauserleute in diesem Ereignisse ein Gegenbild sehen sollen. Ein größeres Unglück — und doch wohlgemut.

Wie mir um den Rocherl bange ist, das kann ich dir nicht sagen.