Neununddreißigster Sonntag

Am neununddreißigsten Sonntage.

Die Tage gleiten träge dahin in ihrem Geleise. In dieser Woche hat der Schneider Setznagel mit seinem Lehrling im Hause gearbeitet. Doch ist eigentlich niemand vorhanden, dem der Meister was anmessen könnte. Der Franzel ist noch da, der sein Wintergewand bekommt. Meine Leute haben den selbstgemachten Schafwollloden verkaufen und Baumwollzeug dafür kaufen wollen, weil das letztere billiger ist und als „Stadtgewandel“ besser paßt, falls der Knabe in die Studie kommt. Mein Rat hingegen war: Ein Bauernbübel und ein Lodenjöppel!

„Wirst recht haben, Hansel,“ sagte drauf die Hausmutter, dieweilen sie für den Schneider Zwirn abhaspelte, „ich weiß mir nimmer aus, thu’ wie du willst.“

Thu’ wie du willst? Bin ich denn wirklich in Ehr’ und Willen eingesetzt auf diesem Hofe? Und wenn ja, kann ich’s verantworten, wenn der Knabe auf meinen Rat hin festgehalten wird in dieser elenden Berghütte, während anderwärts in der weiten Welt bessere Lose seiner warten können? — O Freund, mein Vertrauen zu diesem ehrwürdigen Stand hebt an zu sinken, wie das Barometer im Sturm.

Als der Schneidermeister ans Anmessen ging, machte er bei mir halt und fragte die Hausmutter: „Kriegt der Knecht auch was?“

„Freilich wohl,“ antwortete sie, „der kriegt ein ganzes Jahresgewand. Vom braunen oder grauen Loden, wie er will.“

„Mutter,“ gebe ich drauf, „an Gewand fehlt’s mir noch gar nicht, leicht komme ich aus übers Jahr mit dem, was ich habe.“

„Gewand willst nit und Geld hab’ ich nit,“ sagte sie verdrießlich.