Da wurde sie bewegsam und lachte auf einmal, daß er einen Viehstand hätte. Und es war thatsächlich so viel als abgemacht mit der Kuh. Zu günstigen Abzahlungsbedingungen hatte er sie bekommen drüben in der Wendau. Und dann haben sie das Ereignis eingehender besprochen. Das Rind ist in den besten Jahren, hat vor kurzem das erste Kalb geworfen und soll massenhaft Milch geben. Drei Liter den Tag! Stall und Futter für sie habe er einstweilen im Nansenhof. Er wolle sie noch an diesem Tage heimholen von der Wendau herüber. Er habe eben den Strick gekauft beim Krämer. Ob sie scheckig wäre? — Ja selbstverständlich, braun und weiß gefleckt. — Wie sie heißen werde? — Scheckin natürlich.

„Guido, Guido!“ rief sie aus. „Jetzt haben wir eine Kuh!“

„Wenn sie nur auch schon bezahlt wäre!“ meinte er nachdenklich.

Denn bei dem ist alles so gesondert. Einmal ganz Ehre, dann ganz Liebe, dann ganz Geld. Scheint es also doch, daß das Heiraten zwischen dem Paare endlich Hand und Fuß, oder vielmehr Haus und Kuh bekommt, daß es nicht mehr ein Liebespaar aus dem Romanbüchel ist, sondern ein erdgründiges.

„Vielleicht,“ vertraute mir hernach Guido an, „verlege ich mich ganz auf die Landwirtschaft. Und gebe die Schulmeisterei auf. Offen gesagt, ich habe keine Vorliebe dafür. Und auch nie gehabt. Was ein rechter Lehrer haben soll, mir ist es nicht gegeben. Daß ich’s geworden bin, es war nur ein Notnagel. Ich habe schon gedacht, ob man nicht von der Sparkasse Geld bekommen und eine Musterwirtschaft anfangen könnte!“

Na nu! Das läßt sich hören! Ein Bauerngut! Einstweilen ist allerdings noch nichts davon da, als die Kuh, und diese ist noch nicht bezahlt. Aber wenn er Lust und Zeug dazu hat, den Almgaiern zu zeigen, wie so eine Wirtschaft nach modernen Grundsätzen rationell betrieben werden muß! Das meine dazu soll nicht fehlen. — Lustig ist mir gerade nicht zu Mute.

Als wir nachher von der Kirche nach Hause kamen, war die Nähterin da. Die hat einen sehr weitläufigen Kittel an, sogar an die Krinoline aufgeblasenen Andenkens erinnernd, und sie will der Barbel auch dergleichen machen zum Hochzeitsgewande. Das weiße Kleid mit dem grünen Kranz ist verspielt, so will die Muhme Rosalia den vergißmeinnichtblauen Brautrock zum Ersatz ausstatten mit schönen Kresen und Krausen, Bändlein und Maschen und zierlichen Knöpflein an allerhand Stellen, so vornehm und geschmackig, wie es sich für eine Frau Schulmeisterin nur irgend geziemt. Die Barbel aber will es bäuerlich haben. „Viel Hoffart wird’s mir nit tragen,“ meint sie, „ich brauch’ ein Gewand, das auch zum Kuhmelken taugt.“

„Wie du halt willst,“ sagte die Nähterin gefällig. „Aber ich hätt’ doch gemeint, was Besseres. Kosten thut die hübsche Form nit mehr, als die ordinäre. Und hättest nachher was Schönes. Wenn sich der Mensch nit beim Heiraten was Ordentliches anschafft, später kommt er eh nimmer dazu. Sein Lebtag nimmer. Und muß man sich denken, in der ersten Zeit laßt der Mann noch was aus, später hat sein Geldbeutel sieben Schlösser an. Ich sag’s!“

„Dank dir schön, Rosalia,“ antwortete das Mädel, „ich bleib’ schon bei meinem alten Tragen.“

Am Abende, als Nacht und Nebel niedergesunken waren über das Gebirge, saßen wir bei einem Kerzenlicht ganz zutraulich beisammen am Tisch, um die Muhme Rosalia herum, die ihre Stoffe großartig auseinander gebreitet hatte. Der Franzel las, wie oft an langen Abenden, etwas aus der alten Hausbibel vor. Er las Moses I, Kapitel 4: