„Und Heva gebar dem Adam zwei Söhne, den Abel und den Kain. Und Abel ward Hirte und Kain ward Landbauer. Da opferten sie dem Herrn, und das Opfer des Abel war Jehova angenehm, das Opfer des Kain aber verwarf er. Und als sie auf dem Felde waren, da geschah es, daß Kain den Abel erschlug....“

„Pfui!“ rief die Nähterin aus. „Das ist ein garstiger Bruder, dieser Kain! Weißt du denn nichts Lustigeres zu lesen, Bübel?“

„Es kommt ja schon die Suppe,“ sagte die Hausmutter und brachte, stets mit beiden Händen tragend, die große Schüssel mit gekochter Milch auf den Tisch.

„Das heißt wohl, daß ich jetzt abfahren soll mit meinen schönen Sachen,“ sagte die Nähterin noch launig und räumte den Tisch. Da knarrte die Hausthür und durch Dunkelheit und Rauch sprang ungebärdig ein Mann herein.

„Jesus!“ schrieen Mutter und Tochter zugleich. „Jesus, der Rocherl!“

Und er war’s. Wüst im Anzuge, wüst in Haar und Gesicht, ganz verstört über und über — die linke Hand ans Brusthemd geklammert, der rechte Arm außerhalb der Binde niederhängend — so war er in die Stube gefahren. Dann schrak er zurück vor Mutter und Schwester, kauerte sich in den Herdwinkel nieder, so tief, daß man ihn gar nicht sah, daß man nur sein Gröhlen und Stöhnen hörte.

„Heiliger Gott, Bruder, was ist das?“ rief ihm das Mädel zu, „dir ist ja die Hand aus der Binde!“

Er winkte heftig, sie solle ihm fernbleiben, barg sein Gesicht in den Ellbogen und ächzte so wild, daß es uns allen durch Mark und Bein ging. Wir stellten uns um ihn, wir bestürmten ihn mit Fragen, woher er komme, was das bedeute? Die Barbel kam weinend mit Wasser, um ihn zu erquicken. Da sprang er auf, stieß sie zurück, daß ihr der Krug aus der Hand fiel und auf dem Fletze zerbarst.

„Will dich nit sehen, du Unglück, du!“ kreischte er auf. „Du bist mein Unglück! Mein Unglück! Mein Unglück!“

Unser erster Gedanke: Wahnsinn! Die Mutter faßte ihn an der Hand: „Kind, du erschreckest uns zu Tod. Was ist denn geschehen? Will dir wer was? Rocherl, so sprich! Schau, jetzt bist ja wieder daheim, bist bei uns. Viel Herzleid um dich, Gott weiß es. Soll vergessen sein, weil du mir wieder da bist. Krank bist so viel! Thu’ dich ausweinen, da bei mir, nachher wird dir leichter. Mein liebstes Kind....“