Nie bisher hatte ich das herbe Weib in solchem Tone sprechen gehört. Der Bursche begann am ganzen Körper zu zittern; als er sich erheben wollte, knickten ihm die Knie ein, so brach er vor ihr nieder: „Bin’s nimmer wert, Mutter! — Nur sehen — nur euch noch einmal sehen. Dann gehe ich ja schon, wohin sie mich treiben....“

„Du wirst —“ sie brach wieder ab. Du wirst doch nichts angestellt haben? wollte sie fragen.

„Mutter, ich will nimmer sein!“ schrie er auf und rang die Hände. „Mutter, schaut mich nit an. Ihr verzeiht mir nit, ich weiß es wohl, ihr könnt mir nit verzeihen. Nur ein Tag wird noch sein, da werdet ihr mir verzeihen...“

Da verschlug’s uns freilich allen miteinander die Sprache. Wir standen herum wie dürre Bäume. Plötzlich wurde der Bursche ruhig, er stand auf, setzte sich auf ein Holzscheit und schien beinahe gefaßt. Stierte vor sich auf den Boden hin und sagte: „Ja, meine lieben Leut’, mich hat der Herrgott verlassen. Jetzt bin ich fertig. Nit aus Jähzorn ist’s geschehen. Aus Schlechtigkeit ist’s geschehen. Wie lang’ ich’s hab’ vorbedacht. Es muß sein und es muß sein! hat mir der bös’ Feind zugesprochen Tag und Nacht. Um die da! Um die!“ Auf das zitternde Mädel deutete er mit dem Finger. „Die ich so gern hab’ gehabt! Keinen Menschen so gern auf der Welt! Und ihretwegen, daß es ein solches End’ hat mit mir!“

Fuhr die Mutter zornig auf: „Jetzt red’, was ist geschehen?“

„Derschossen hab’ ich ihn!“

Die Barbel thut einen Schrei, so schrecklich, daß ich ihn seither in jeder Nacht höre. Ihre Züge werden fahl, ganz fahl und starr. Alles erstarrt ringsum und es ist ein Krampf, daß man gemeint hätte, am Himmel blieben die Sterne stehen zur selben Stunde.

— — — — — — — — — — — — — — —

Den Jammer stelle dir selber vor, zu beschreiben ist er nicht. Wie furchtbare Sturmglocken, so scholl er durchs Haus. Aber das tragische Kapitel wendet sich. Es schwankt langsam die Thür auf und eine unsichere Stimme ruft herein: „Wo es so lustig hergeht, da will ich auch dabei sein.“ Als ob er gemeint hätte, es wäre ein Freudenlärm. Und er hat’s gesehen, wie der Rocherl jetzt neuerlich einen gellenden Schrei ausstößt und sein Gesicht in die Rockfalten der Mutter birgt. Er hat’s geahnt, weshalb die Barbel ihm mit so großer Heftigkeit, lachend und weinend zugleich, in die Arme springt.