Es war freilich nicht der Geist des erschossenen Lehrers, wie der Rocherl meinte. Es war der Guido, der wirkliche, mit dem lebendigen Fleisch und Blut.
An diesem Abende des Allerseelentages haben wir das Wunder noch nicht so gesehen, das sich zugetragen und zu dessen Beschreibung ich einer ruhigeren Stunde bedarf.
Will dir nur sagen, wie der Rocherl zuerst noch eine Weile gelauert hat, gegen den Lehrer hin, ob es nicht doch ein Blendwerk sei, was da vor ihm steht blatternarbig und in der Pelzhaube. Dann tritt er ihn an und sagt in ganz hartem Tone: „Dank dir’s Gott, Lehrer, daß du lebst. Und ich bin ein Narr geworden.“
Der Guido ist sehr nachdenklich und schweigsam. Er hat nichts mehr zu sagen. Er scheint nur gekommen zu sein, um sich zu beklagen darüber, daß und vor wem er seines Lebens nicht mehr sicher sei.
„Geh dich waschen, Rocherl!“ raten wir.
Der Bursche taumelte hinaus zum Brunnen, tauchte den Kopf in das kalte Wasser, mehrmals und immer wieder. Dann saß er auf dem Trog in stiller Nacht. Ich trug ihm des Vaters Wettermantel hinaus: „Decke dich ein, Rocherl, es ist kalt.“
„Bist du’s, Hansel?“ fragte er. „Geh, bleib’ bei mir. Du glaubst es nicht, wie ich jetzt dran bin. Wie das lustig ist, wenn man niemanden umgebracht hat! Denk dir, mir ist’s gerad’ so vorgekommen, ich hätt’ den Lehrer derschossen. Wenn’s ist, so werde ich aufgehenkt, und wenn’s nit ist, komm’ ich in den Narrenturm. So bin ich dran, mein lieber Hans.“
Vielleicht giebt es doch noch einen dritten Weg. Ein furchtbares Verhängnis zog vorüber und was geschehen, das ist — recht betrachtet — ein ganz gewaltiger Brocken Gnade Gottes, der jetzt auf einmal vom Himmel fiel aufs bebende Adamshaus.