Sechsundvierzigster Sonntag

Am sechsundvierzigsten Sonntage.

Jetzt kannst du wieder etwas Neues hören, lieber Alfred! Jetzt sehen wir den Brocken des himmlischen Wunders erst recht, er ist noch größer, als es anfangs schien. — Der Jäger Konrad hat seinen Schuß wett gemacht.

Am vorigen Donnerstag, als ich gegen Abend das Vieh heimtreibe, das jetzt noch spärliches Gras abweidet draußen auf den Wiesen, begegnet mir der Jäger. Er schaut so recht behaglich drein, viel munterer als sonst und hat im Gesicht ein kurzes Pfeiflein stecken, das er mit den Zähnen nach aufwärts schupft, als sollte es mit dem spitzen Messingdeckel an die Nasenspitze tippen. Einen guten Tag bietet er mir und fragt, ob der Rocherl heimgekommen wäre.

„Das wohl,“ antworte ich, „aber das Schießen hat er sich zu sehr angewöhnt von euch Jägern.“

„Vielleicht hat er sich’s auch wieder abgewöhnt,“ sagt er.

„Der, wenn er gut träfe!“

„Treffen,“ meint der Jäger, „thäte er vielleicht eh gut, aber das Gewehr ist schlecht geladen.“

Da deucht mich, der Mann wisse etwas. Und weil wir den Waldweg nebeneinander gehen, hinter dem Vieh her, so habe ich’s erfahren.

Der Rocherl, so erzählt der Jäger Konrad, sei ihm schon lange verdächtig vorgekommen, als ob er etwas im Sinn hätte gegen den Lehrer. Mehrmals habe er ihm das Gewehr abgenommen, immer wieder hat er eins. Vor Allerheiligen sei er tagsüber oben gelegen in der Nähe der Waldheuhütte. Bei der Nacht sei er durch die Gegend gestrichen, sogar bis Hoisendorf hinab und um das Schulhaus herum. Lauernd und flüchtig huschend wie ein wildes Tier. Den Tag vor dem Feste sei der Jäger drüben in der Wendau beim Sackbuttner zugekehrt und habe die Bäuerin um eine Rein Milch gebeten. Dieweilen er sie gegessen, sei der Lehrer von Hoisendorf gekommen und habe dem Sackbuttner eine Kuh abgekauft.