Aber nachher die Hausmutter, die hat uns bald nüchtern gemacht. Erschrocken war sie nicht, als ich ihr noch am selben Abend unsere Verlobung mitgeteilt hatte.
„Diese Barbel, das ist ein Band!“ sagte sie nur. „Weil der eine davon ist, packt sie den andern her. Meiner Tag hätt’ ich mir das nit lassen träumen, von dem Mädel. Jetzt, wo sie schon einen haben muß, so ist’s eh gescheiter, sie nimmt einen Bauersmenschen, als wie den herrischen Schulmeister da.“
Einen Bauersmenschen, sagt sie! Das Rainhäusel da hinten beim Schachen sollten wir uns herrichten und nachher fleißig arbeiten helfen im Hofe. Das ist ihre Anordnung und das ganze Programm meiner Zukunft. Also ist die Falle zugeschnappt, steineisenfest, und der Hansel sitzt drinnen.
Am Dienstagabend war großer Familienrat. Beim Tische, auf dem Platze, wo der Adam gestorben war, kam ich zu sitzen, da ist es mir ganz kalt über den Rücken gelaufen. An seine Stelle bin ich gesetzt. Habe mit meinen Vorschlägen auch nicht lange gesäumt. Wahre Sinaigebote, zähle nach, ob ihrer auch zehn sind.
Der Valentin, wenn er glücklich heimkehrt vom Militär, wird nicht hinausgehen in das Radmeisterwerk, auch nicht in die Grabacher Papierfabrik, die jetzt viele Arbeiter beschäftigt, er wird daheim bleiben und als der Ältere die Wirtschaft übernehmen. Der Rocherl wird nicht Almhalter in der Wendau, wie er schon hatte anklingen lassen, er bleibt auch daheim und wird Großknecht, als der ich mit Ende des Jahres mein Amt niederlege. Jetzt kann er ja wieder zugreifen mit beiden Händen und die gleichmäßige Arbeit wird das Irrlichtern seiner unruhigen Seele schon dämpfen. Der Franzel bleibt nicht daheim. Der geht für drei Jahre auf die Landwirtschaftsschule nach Grotting, dann kommt er auch zurück. Diese drei Brüder werden zusammenhalten wie die Scheiter an einem ungespaltenen Lärchblock. Der Kornbau wird aufgegeben. Nur Gemüse, Kartoffeln, Kohl, Karfiol, Rüben und Salat. Die Felder werden zu Weiden und Wiesen gemacht; eine Jungviehzucht wird gegründet, mit dreißig bis vierzig Stück Rindern. Schafe und Ziegen werden abgeschafft. Hingegen etliche Schweine für Speck und ein gutes Stück Rauchfleisch übers Jahr. Milch- und Käsewirtschaft gemeinsam mit den Nachbarn, die für eine Genossenschaft gewonnen und unterwiesen werden müssen. Jungwald pflegen, besonders Lärchen, so viel nur immer wachsen wollen. Der Wald zahlt wenig Steuer, braucht wenig Arbeit und bringt bei vernünftiger Kultur ein gutes Stück Geld jedes Jahr. — „Sapperlot, wer schon einmal eingespannt ist, der muß auch anziehen!“ sage ich beeifernd zu meinen Leuten. Sie gucken mich unsicher an, ob’s wohl auch alles mein Ernst wäre? — Mir ist selber nicht ganz sicher. Das Ding hat stellenweise verzweifelte Ähnlichkeit mit meiner voreinstigen volkswirtschaftlichen Rubrik in der „Kontinentalen“.
„Mein Gott!“ seufzt die Hausmutter auf, „wenn man halt wüßt’, was der Adam dazu sagen thät’!“
Der Rocherl meint: „Wenn’s einmal im Gang wär’, kunnt’s schon schön sein. Aber anfangen! Wie denn anfangen?“
„Habe ich das Wichtigste schon gesagt?“ fahre ich zu reden fort. „Das Wichtigste hätte ich noch nicht gesagt? Doch ein zerstreuter Pinsel, der ich bin. Unsere gute Hausmutter wird sich auch einmal ausrasten wollen. Da muß halt der Jungbesitzer gelegentlich ein braves Weib heimbringen, das anfangen hilft.“
„Ja, Hansel!“ ruft der Rocherl auf einmal aus und legt die Hand auf meine Achsel, „was ist’s denn mit dir? Mit dir und der Barbel, möcht’ ich wissen!“