Wie wenn er sie doch gern gehabt hätte? Dann wollte ich nicht gerne Hans Trautendorffer sein! Daß die Liebe mangelte, hat uns gerechtfertigt, sie, mich und — ihn. Was ich ihretwegen allein mit mir auszumachen gehabt habe, monatelang — das ist vorbei.

Der Barbel habe ich von dem Zusammentreffen in der Rechenschlucht einstweilen nichts gesagt. Der Franzel hat heute aus Hoisendorf die Nachricht heimgebracht, daß der provisorische Lehrer wahrscheinlich hier angestellt werden wird. Der Winter habe mit einem Wagen des Kirchenwirtes seinen großen Koffer fortführen lassen.

Und jetzt thut er mir leid.

Zweiundfünfzigster Sonntag

Adamshaus, am zweiundfünfzigsten Sonntage.

Das Jahr war doch gewiß reich an Überraschungen für mich. Die größte aber brachte mir dein Christtagsbrief. Herrlicher Mensch, wie hast du das zu stande gebracht! Also der Verlag Staackmann in Leipzig erwirbt meine Sonntagsbriefe gegen ein Honorar von zehntausend Gulden! — Da hätten wir ja die zwanzigtausend Kronen. Und dazu den Vorteil, daß es nicht ein windiger Wettpreis ist, sondern redlich Erworbenes. Nun sind wir gerettet. Herrgott im Himmel, das ist ein Brocken!

Aber die Sonntagsbriefe! Was ich da zusammengeschrieben habe in meiner Stallkammer, wie eben ein aufgeschrecktes Menschenherz purzelt und hüpft, himmelhoch jauchzend und höllentief fluchend, übermütig, bummelwitzig, geschwätzig, selbstgefällig, spöttisch, einmal Gott zu dumm, einmal dem Teufel zu schlecht. Und das alles soll vor aller Welt ausgepackt werden? Freund, da heißt es wohl sich einen langen Blaustift anschaffen. Die ersten Briefe dieses Jahres, die an unterschiedliche Herren der „Kontinental-Post“ gerichtet waren, sind bereits in deinem Besitze? Du meine menschgewordene Vorsehung, du! Fürs Ganze ein packender Titel, das versteht sich. Aber der vorgeschlagene: „Die Erbsünde“ taugt mir nicht. Man würde diese Bezeichnung entweder auf das Liebespaar wälzen, oder den „Schweiß des Angesichtes“, also die ländliche Arbeit, damit in Verbindung bringen. Mir paßt weder das eine noch das andere. Sünden können an den Nachkommen wohl bestraft, aber nicht von ihnen geerbt werden. Und die Arbeit ist kein Sündenfluch. Vielmehr ein Segen. Aus der Scholle sprießt Kraft für die ganze Welt und Segen für den, der sie berührt. Erdsegen. — „Erdsegen. Vertrauliche Sonntagsbriefe eines Bauernknechtes.“ Wie hört sich das? In wenigen Tagen sprechen wir persönlich darüber.

Und nun will ich dir das Jahr mit der Weihnachtszeit beschließen. Ach, um wie viel unbehaglicher schreibt sich’s, seit einem wieder der Setzerjunge über die Achsel guckt.