Die verleugnete Zeile aber lautete: „Nur um zwei Gulden, wenn ich bitten dürfte, liebe Eltern!“

Der Vater wollte mit den Kindern erst die Geldbeschaffung besprechen, bevor er der Mutter die Bitte mitteilen mochte.

Tags zuvor war der Steuerbote dagewesen, schon das dritte Mal seit sechs Wochen. So verworren, daß sich kein Mensch auskennt, spricht der Zahlungsauftrag von „rückständiger“ Steuer, die der Adamshauser schon längst bezahlt zu haben wähnte. Es half ihm nichts, der Bote trug den Rest des Sparpfennigs mit fort, mit der Drohung, daß er nicht wiederkomme! Wenn bis Ostern die letzte Quote nicht bezahlt sei, dann ginge es an ein paar Ochsen! O welches Glück, in einem Kulturstaat zu leben!

Der fürsorgliche Besuch des Herrn Staates hatte damals dem Adamshauser einen Asthmaanfall gebracht. Wie der Steuerbote die Lunge angriff, so ging nun der Soldatenbrief ans Herz.

Jetzt merkte ich aber, daß die Barbel anhub, ein frohes Gesicht zu machen.

„Braucht der Valentin etwa Geld?“ fragte sie leichthin.

„Na freilich wird ein Soldat nie zuviel Geld haben,“ meinte der Vater.

Nach wenigen Minuten brachte sie aus ihrer Kammer ein zierlich mit bunter Wolle gesticktes Mapplein.

„Da kann er gleich heimreisen, wenn er mag,“ sagte sie. Acht oder zehn glatt zusammengefaltete Papiergulden that sie hervor.

Stürzte erregt die Mutter herbei: „Barbel, wo hast du das Geld her?“