Von der Mailuft, die über unseren Bergen weht, kann ich gar nicht genug bekommen. Am späten Abend noch, während die Pflugochsen im Stall ihr Heu fressen — als Arbeiter bekommen sie jetzt natürlich besseres Futter, denn im Winter als Faulenzer — sitze ich gerne im Freien auf der Wandbank und betrachte es, wie am Firmament die Sternlein sich allmählich anzünden und vom Graben herauf die Wasser lauter werden. Und da habe ich mehrmals beobachtet, wie der Rocherl Sträußlein bindet mit großer Mühe seiner linken Hand, wie er damit an das Hausfenster hinschleicht und den Strauß ans Fenster der Barbel steckt. Am nächsten Tage sind die brüderlichen Liebesopfer welk, da bringt er frische. Und das Mädel hat die Blümlein des alten Einlegers schier lieber, als die des Bruders.
Und einmal, in der Abendstunde, steht der Rocherl beim Kirschbaum und flucht alle Flüche, die ihm einfallen. Und die ihm nicht einfallen, möchte er mit den Zähnen zerreißen.
„Was du für ein absonderliches Abendgebet kannst, Rocherl!“
Er stößt sich die Faust an die Stirn: „Zu Grund’ geh ich!“
„Schmerzt dich die Hand so arg?“
„Die Barbel!“ schreit er auf.
„Die Barbel? Deine Schwester? Ist ihr was?“
„Jeden Zugelaufenen hat sie lieber als mich!“
„Jeden Zugelaufenen? Wer ist damit gemeint?“