„Das weiß ich schon!“
Sollte er mich —? Kaum denke ich das, so stürzt er mir an die Brust, stöhnt, gröhlt und bringt endlich die Worte hervor: „Weil ich sie gern hab’! — Umbringen muß ich mich!“
Alfred! In meinem Leben bin ich selten noch so erschrocken, als jetzt. Wenn es wäre, daß dieser junge glühende Mensch eine Leidenschaft nährte zu seiner Schwester!
Den abscheulichen Augenblick habe ich sofort in Spaß gebeizt.
„Am Ende, Rocherl!“ sage ich in komisch gespielter Entrüstung „am Ende hast du mit dem Mädel eine Liebschaft. Nachher wird gerauft! Und den Alten töte ich auch. Was hat er ihr Blumen zuzustecken! Das Mädel gehört mein. Sie mag mich zwar nicht, und dich auch nicht, aber gerauft wird doch. Haderlump! Prügel kriegst, weil sie uns nicht mag. Und ich krieg’ ihrer auch, deswegen. Und auf meinem breiten Buckel haben mehr Platz, als auf deinem Forellenrücken. Nachher kann sie uns Schusterpech auflegen, das die Prügel wieder herauszieht.“
Grell aufgelacht hat er. Dann sagt er ruhiger: „Du hast leicht Spaß machen. Ich weiß schon, wen ich meine.“ Dann ist er in sein Bett gegangen und die Wasser haben gerauscht im Thale.
Neunzehnter Sonntag
Am neunzehnten Sonntage.
An diesem Briefe, mein Freund, werde ich wohl zwei Sonntage zu schreiben haben. Nicht, weil die Finger steif geworden sind. Nicht, weil ich jetzt lieber im Freien herumstreichen möchte, als gebückt über der Truhe zu sitzen. Ein anderer Verzug ist vorhanden. Es ist lang und es geht tief. Wenn’s nur ein Roman wäre und ich ein Romanschreiber. Gott, wie nett! Aber es ist ein Schicksal und ich bin ein armer Mensch.