Wie bei diesem Bekenntnisse des Lehrers mir zu Mute gewesen ist!....

— — — — — — — — — — — — — — —

Dann haben wir weiteres geplaudert. Was er für die Zukunft anzustreben gedenke? — Er denke nicht weiter, er wolle in Hoisendorf verbleiben. Doch wie das ein anderer über sich bringe, der nicht so dran sei wie er, das verstehe er nicht. Es sei halt doch wohl ein trauriger Winkel. Darum möchte er eben auch dem kleinen Franzel ein gutes „Fortkommen“ wünschen.

Nach dem inhaltsreichen Spaziergange waren an dem Berge die Schatten hoch hinaufgestiegen. Nur die Holzwände des Adamshauses leuchteten in der untergehenden Sonne noch und die Fensterchen funkelten glühend, als wäre das Innere voller Feuer.

Am Eschenrain trennten wir uns, der Lehrer ging thalwärts, ich bergwärts. Am Stege blieb er stehen und schaute mir nach. Es scheint, er traut mir doch nicht ganz.

Auf dem Bergwege blieb ich auch nicht allein. Der Jäger Konrad gesellte sich zu mir. Heute hatte er wieder Gewehr und Federbuschen.

Langsamer sollte ich gehen. Einen Kameraden möchte er haben.

Ich wäre jetzt lieber allein gewesen. Mit Jägern weiß ein Mensch nicht viel zu reden. Heute war’s anders. Dieser Jäger sprach seltsamerweise nicht von Hirschen, Hasen und Hunden, sondern von Menschen. Und zwar von meinem Rocherl. — Das Leben vergräme es ihm, dieses Unglück mit dem Burschen. Schon Schmerzensgeld habe er geben wollen, aber er nähme nichts an. Die eigene Hand könne er sich nicht abhauen lassen und hingeben für die zerschossene. Könne man das, so thäte er’s, Gott sei Zeuge. So oft er den Krüppel sehe, möchte er sich selber was anthun. Es sei ihm ganz abscheulich.

„Das habt Ihr von Eurem verdammten Schießen!“ fahre ich ihn an. „Muß denn allemal gleich geschossen sein? Und wenn auch so ein notiger Tropf einmal ein Stückel Wildpret erhascht, was liegt denn dran? O nein, Jäger, da hab ich ein weites Gewissen. Gegen Leute, die jährlich ein bürgerliches Vermögen für das Jagdvergnügen ausgeben können, habe ich ein weites Gewissen. Arme Leute einsperren oder gar zu Krüppeln schießen zu lassen, weil sie einmal ein Stückchen Braten wollen haben, das — wenn ich Edelmann bin — wäre mir, offen gestanden, zu lumpig.“

Da könne man nicht widersprechen, meinte der Konrad, doch ein Jäger habe seine Vorschriften. Er sei selber Diener. Er wisse es wohl. So herrisch manch ein Jäger vor Bauern und armen Häuslern sich aufblähe, vor dem Gnädigen biege er sich wie ein Radreifen und würge Brocken hinab, die kein Jagdhund annehme. Er habe es auch satt. Das ärgste sei ihm noch, daß er gehört habe, der Kulmbock wolle den Fall vor den Landtag bringen.