„Agatl,“ sagte er, konnte aber den Namen nicht mundgerecht aussprechen, weil er von den Gegenden der Mitternacht kam, in welchen die Zunge schon ein wenig anders gewachsen ist, als in dem sangreichen Himmelsstriche der Alpen, „Agatl, Sie sind ein prächtiges Mädchen!“

„Eh’, Du Tollpatsch!“ rief die junge Schwaigerin aus, „wird der Herr noch eine Weil’ Sie zu mir sagen! Bin ja kein Stadtfräulein nicht.“

Hierauf sind sie Du und Du zusammen geworden.

Als das Agatl mit seinem Korbe hinab in die Matten ging, um den Kühen grünes Futter für den Abend zu holen, begleitete sie der junge Doctor und sah ihr zu, wie sie all’ die schönen Pflanzen und Blumen, die der Botaniker so sorgsam hegt, so genau studirt, so haarklein beschreibt in den Büchern; die der Dichter so rührend besingt und die das Rind so gern frißt — mit der Sense niedermähte. Noch versuchte der junge Gelehrte dem Mädchen einige Blumen zu erklären; sie ließ ihm aber nichts gelten, sie hatte ihre eigene Naturgeschichte.

„Ja,“ sagte sie, „jetzt, das sind die Liebfrauenschühlein, die ziehen die verstorbenen Jungfrauen an, wenn sie in’s Himmelreich eingehen. Und das ist der Herzensschlüssel, den man den hübschen Buben auf den Hut stecken muß, dann schauen sie um, auf dem Kirchweg, wenn Eins hinten drein geht. Und das ist die brennende Lieb’, die alle sieben Jahr’ nur einmal treibt. Und das — kennst Du das auch nicht? — das ist die blühende Untreu.“

„Das trifft man auch unten an,“ bemerkte der Naturforscher.

„Ja,“ sagte sie, „das wächst überall.“

„Bei Dir kann man ja allerhand lernen,“ versetzte der Gelehrte.

„Oh, wegen deswegen,“ antwortete das Mädchen, „ich weiß schon noch mehr; aber mir fällt’s jetzt nicht ein.“