Die Marianka war beim Söllerbauer als Schafhalterin, und kam schon die Zeit heran, wo die Hirtin weniger sicher ging vor den Burschen, als die Schafe vor den Wölfen.
’s war kein Wunder — bei meiner Treue! Wenn sie stand auf dem Hügel und Schelmenliedchen sang, oder wenn sie saß, gelehnt an einen Stein und sann und im Sinnen einschlummern wollte, da war sie werth, daß man sie lieb hatte, da war sie werth, daß man sie herzte, und da war sie im Stande, daß sie Einem eine kecke Ohrfeige gab.
Das war’s ja! Wem’s passirt ist, der denkt nicht gern daran, wem’s nicht passirt ist, wie etwa dem Sammel, der denkt an’s Mädchen im Walde, an sein Weilen bei ihr — aber spricht nicht gern davon.
Der Sammel und die Marianka — nun, Ihr mögt Euch’s ja denken. Am liebsten hätte der Grabenbursch auch diesen Schatz vergraben — so eifersüchtig war er. Ihr erging es nicht besser, und wären wir jetzt mitten in der Liebesgeschichte.
Da sagte der rothe Fok eines Tages zum Graben-Sammel: „Na, junger Kerl, willst sie nehmen, die Marianka?“
„Was giebst d’rauf?“ fragte der Bursche.
„Was ich d’rauf geb’? So groß ist Deine Lieb’?“ begehrte der Fok auf. „Was ich d’rauf geb’? Nicht einen Knopf. Erstens hab’ ich nichts, und hätt’ ich was, so thät’ ich’s zweitens selber brauchen. Mein Alles ist die Marianka, und was sie kostet, das muß sie werth sein.“
Schlich der Sammel davon. Aber nach etlichen Tagen erhielt der Fok durch den Schulbuben des Söllerbauers folgenden Brief:
„Lieber Fok!
Ich liebe die Marianka von Herzen und mit Schmerzen, und sie heiraten ist mein ernstlicher Willen, aber umsonst thue ich’s nicht. Ein Weib, das Geld hat, bleibt lang’ schön, hat mein Vater gesagt. Ich weiß Keine, aber ich such’ Eine mit Geld; denn ich habe auch nichts. So lang’, bis ich eine Rechte finde, werde ich die Marianka noch lieb haben. Dein aufrichtiger