Da geschah es eines Abends, oder vielmehr eines Morgens, als es — wie er so schön sagte — „vom Zechen zum Blechen kam,“ daß er sein Geldbeutelchen vermißte. Gottswahrhaftig, das lag daheim bei seinem Weibe. Bevor er aber noch den „goldenen Hirschen“ um einen Credit angehen will bis auf morgen — eigentlich nur bis auf heute — bis er nach Hause geht, sich ausschläft und wiederum kommt — entdeckt er in seiner Hosentasche das Opfergeld für den Thurmbau, das er Tags zuvor erst aus dem Opferstock genommen hatte, wie er es allwöchentlich zu thun pflegt. Das reicht für die Zeche — es bleibt sogar noch etwas übrig.

Was? Uebrig bleiben? Nein, das läßt sich ein Abelsberger nicht nachsagen. Was nützt die Thurmspitze, wenn der Thurm versoffen ist! „He, Wirthshaus! Frisch eingeschenkt, wir bleiben sitzen.“

Und als es morgen ward und der letzte Knopf vertrunken war — der letzte Knopf vom Thurmgeld — da stand der Küster Thomas Reckenschlauch auf. That aber nicht gut daran, denn auf der Stelle wollte er wieder umfallen. Indeß, es ging und der Weg schräg über den Kirchplatz hin war nicht zu verfehlen. Anfangs allerdings hielt sich der Küster etwas zu sehr rechts, um später ein bißchen zu viel nach links abzuschwenken. Als er mitten auf den Platz kam, blieb er stehen, so gut es ging und starrte auf den Kirchthurm hin und begann zu kichern. — „’s ist richtig“, stammelte er, „das Thurmgeld — er steht schon — der zweite. Ach — der Tausend, was das schön ist! Ganz wie in Neudorf! Hi, hi! Zwei Thürme auf der Abelsberger Kirchen!“

Und taumelte entzückt nach Hause.

Eine angenehmere und billigere Bauart giebt’s nicht. Und nachdem nun der ehrenwerthe Küster Thomas Reckenschlauch die Entdeckung gemacht hat, wie man in Abelsberg Thürme baut, so soll es nicht allzuselten geschehen, daß er sein Geldbeutelchen beim Weibe daheim läßt und zufällig immer nur die Wochenausbeute vom Opferstock im Sack hat — und daß er dann beim Nachhausegehen regelmäßig auf der Kirche den zweiten Thurm neben dem ersten stehen sieht.

Und der Küster räth es Jedem, der in Abelsberg zwei Thürme haben will: „Geh’ hin und thu’ desgleichen!“

Zu Abelsberg beim Spielchen.

Sollte es zwar nicht erzählen, denn ich hab’s nicht gesehen. Sie schlossen sich dabei ein — der Herr Pfarrer von Abelsberg und sein Bruder, der Hochbergreichhofer. In der Oberstube saßen sie und ließen sich’s gut geschehen und spielten Karten. Aber nicht etwa ein verbotenes Spiel! — i bewahre — beim Pfarrer! „Brandeln“, „Zwicken“, ein wenig „Mauscheln“ mitunter, das war der Zeitvertreib.

„Na, ich dank’ schön für einen solchen Zeitvertreib!“ sagt zwar der Hochbergreichhofer, kommt aber nichtsdestoweniger jeden Sonntag von seinem Berg herab, läßt sich zur Jause laden, versitzt den ganzen Nachmittag bei seinem Herrn Bruder und verspielt jedesmal sein ganzes Geld.