Hingegen muß er stets auf dem Ehrenplatz sitzen, an der Wand auf weicher Lederbank, während der Pfarrer ihm gegenüber mit dem Holzstuhl fürlieb nimmt. Und hernachen — wie schon angedeutet worden — ganz abgeschlossen waren sie doch nicht von der Welt. Die Köchin durfte in die Oberstube — und das lohnt sich im Pfarrhof immer, denn mit leeren Händen erscheint so ein Frauchen selten. Sie ist ja Herrin der Küche und von Allem was dazu gehört, und an ihrem Schürzenband hängen die Kellerschlüssel. Was also den alten Wein anbelangt — er war ein Jahrgänger mit dem Hochbergreichhofer, der in dem gesegneten Vierunddreißiger-Jahr zu dieser Welt gekommen war — und was die gut geräucherten Schinken betrifft und den Gugelhupf und den Kaffee, und dann den wohlgetrockneten Knaster, den sie aus langen Pfeifen rauchten, so konnte der brave Hochbergreichhofer das Sonntagsspielchen bei seinem Herrn Bruder nimmer missen. Mit Speis’ und Trank suchte er sich, so gut es ging, zu entschädigen für die Zwanziger, die aus seinem weltlichen, hundsledernen Geldbeutel allzu frommen Sinnes dem geistlichen Herrn zusprangen. Der Hochbergreichhofer hatte doch das Kartenspielen von Jugend auf getrieben und war nicht arg dabei zu Schaden gekommen. Aber im Pfarrhofe versagte ihm das Glück.

Trotzdem ging er jeden Sonn- und Feiertag zum Nachmittagssegen und machte nach demselben den kleinen Besuch beim Herrn Bruder, den er erst spät Abends häufig mit etwas verrücktem Schwerpunkte verließ.

„Grüß’ Dich, grüß’ Dich, Bruder!“ empfing ihn der Pfarrer, „setz’ Dich doch auf Deinen Platz.“

„Aber immer auf dem Polstersitz, nein, Bruder, das geht doch nicht; der geistlichen Weih’ gehört die Ehr’ zu!“

„Bitte, Du bist der Gast! Nur keine solchen Umstände!“

So oftmals der edle Wettstreit, bis endlich Jeder stets wieder auf dem alten Fleck saß bei der Gottesgab und beim Gebetbuch des Teufels, wie der Herr Pfarrer die Spielkartenblätter nannte. Und wenn dann das gut gebratene Schweinerne kam, so schob der Pfarrer Messer und Gabel hin und rief: „Bruder, stich die Sau!“ Das that der Hochbergreichhofer wohl hier in Natur, aber in den Karten vermochte er’s selten. Oft genug kam ihm ein guter Trumpf in die Hand, aber der geistliche Herr spielte mit so schlauer Berechnung, daß der Bauer einmal rief: „Du, Herr Bruder, geistlich Weih’ ausgenommen, Du hast falsche Karten!“

„Lapp!“ lachte der Pfarrer, „das kannst ja anders machen. Nimm für’s nächstemal Deine Karten mit.“

„Das ist eine Red’.“

„Aber, was ich Dir sagen wollt’, Bruder. Am nächsten Sonntag geh’ nicht in die Predigt, ich rath’ Dir’s.“

„Ja, hörst, wesweg soll ich denn nicht in die Predigt gehen?“