„Weißt Bruder, nächsten Sonntag ist das Evangeli von dem ungerechten Haushälter und da muß ich einmal gegen das Kartenspielen predigen. Die Leut’ wissen Deine Passion, kunnt Dir unangenehm sein in der Kirch’.“
Ging der Hochbergreichhofer also nicht in die Predigt; die Leute aber sagten nach derselben: „Scharf ist’s niedergangen heut’, höllisch scharf, und seinen Bruder hat er gemeint. Ist er nicht in der Kirch’ gewesen, der Hochbergreichhofer?“
Der aber ging wie gewöhnlich zum Nachmittagssegen und hatte richtig sein eigenes Spielkartenbüschel bei sich. Er traute dem Herrn Bruder nicht mehr recht; der hatte beim Spiel auch immer einen so schiefen Blick, sah ihn an und sah doch wieder an ihm vorbei — ein rechter Judasblick, die geistlich’ Weih’ in Ehr’!
Und als er in die Stube trat, rief der Pfarrer: „Na, grüß’ Dich, Bruder, setz’ Dich wieder auf Dein Platzl. Hast Karten bei Dir?“
Sie spielten mit den Karten des Hochbergreichhofers; der Pfarrer hatte wieder den schielenden Blick, der dem Partner wohl über die Achsel, aber nie in’s Auge sehen konnte, und der Bauer verlor, wie immer.
Da kam diesem plötzlich der Zorn: „Was schaust mir denn nicht in’s Gesicht, Pfarrer? Hast ein schlechtes Gewissen?“
Zum Glück kam in diesem Augenblick die Köchin mit dem gebratenen Huhn. Sie war noch ein recht reputirliches Frauenzimmer und allerweil woltern nett angezogen. Heute hatte sie gar eine Pfingstrose im Haar, that einen Blick über den Hochbergreichhofer hin an die Wand und ordnete die Rose.
Was denn da ist, an der Wand? dachte der Bauer, wendete sich und sah — den Spiegel.
Die Faust mit dem Kartenfächer fest auf den Tisch gepreßt erhob er sich langsam — starrte in den Spiegel, in welchem sein ganzes Kartenspiel offen lag — starrte dem Pfarrer in’s Angesicht und murmelte: „Jetzt, Herr Bruder, jetzt bin ich gescheit. Ja, hörst, wenn Du einen Kameraden hast, der mir in die Karten schaut, nachher — nachher glaub’ ich’s gern!“