„Ist brav, ist brav,“ versetzte der Seelsorger und reichte ihnen die Hände, „und das ist mir der schönste Tag in meinem Seelsorgerleben. Wie werde ich glücklich sein, einst mit meiner lieben Gemeinde im Unschulds- oder Bußkleide vor Gottes Thron erscheinen zu können!“
Einige wollten sich schon zum Gehen wenden, da trat der erste Sprecher noch einmal hervor und sagte mit fast schüchterner Höflichkeit:
„Hätten wir halt zuletzt eine recht schöne Bitt’, hochwürdiger Herr Pfarrer.“
„Nur frisch damit heraus, liebe Kinder, wenn’s in meiner Macht steht, von Herzen gern.“
„’s ist halt der Gemeinde wegen,“ fuhr der Redner beklommen fort, „und daß mit Gottes Hilf’ ein anderer Geist in die Leut’ thät kommen. Daheim im Pfarrhof, selb wollen wir nicht reden, selb ist der Herr Pfarrer sein eigener Herr, aber halt auf der Gasse und beim Spaziergang im Wald, so beim Predigtstudiren — da thäten wir halt wohl schön bitten, daß der hochwürdige Herr Pfarrer die Frau Haushälterin nit wollt’ mitnehmen.“
Hab’ früher zu sagen vergessen, daß der Pfarrer von Ober-Abelsberg ein leidenschaftlicher Schnupfer war; er zog jetzt die Dose hervor und nahm drei, vier Prisen hart hintereinander und bot hierauf Jedem die offene Dose hin. Und Jeder tunkte höflich seine Finger ein und schnupfte und jetzt brach ein Niesen los von allen Seiten. „Helf Gott! Helf Gott!“ riefen sie einander zu. Und der Pfarrer sagte: „Helf’ uns Gott Allen miteinander!“
Eine Abelsberger Katze.
Im Pfarrhofe zu Abelsberg bei Tische saßen immer ihrer Drei. Der Pfarrer, die Katze und der Caplan. Besteck hatte die Katze keines. Ja, hätt’ ich ihre scharfen Zähnchen, wollt’ nicht fragen nach Messer und Gabel, und ihr zartes, langes Zünglein ist brauchbarer als wie der feinste Silberlöffel. Am liebsten saß sie dem Pfarrer auf dem Schoß, wo der Talar stets ein rechtes Grüblein machte; saß nicht ungern auf dem Tisch, am Rande des Tellers; bekostete zuweilen auch die gemeinsame Schüssel, ob wohl in Salz und Schmalz das richtige Verhältniß obwalte, wie es die geistlichen Herren am liebsten hätten. Und war dieses richtige Verhältniß da, so aß sie sich für’s Erste selbst ohne alle Umstände satt.
Der Pfarrer hatte seinen rechten Spaß mit dem possirlichen Wesen, ja hing mit Freundschaft an demselben und schob ihm nicht die schlechtesten Bissen zu, gar mitunter solche, auf die bereits schon der Caplan ein Auge geworfen hatte.