Nach einer Weile ereignete es sich, daß der Pfarrer auf einige Zeit verreiste. Der Caplan hatte mittlerweile Gemeinde- und Hauswesen zu verwalten — that’s auch mit Umsicht und Gewissenhaftigkeit. Aber Eins wollte er dieweilen vollführen; gegen den Liebling des Pfarrers, der keine Messe las, keine Predigt hielt und keine Sünden vergab und im Pfarrhofe doch mindestens so gut, wenn nicht besser gehalten wurde, als der Caplan — gegen die Katze schmiedete er Ränke. Aber ihm waren die Hände gebunden — wenn der Herr nach Hause kommt, wird sein erster Blick in den Bettwinkel sein, wo der Liebling seine Wohnstatt hat.

Giebt es denn aber kein Mittel, das graue Unwesen für immer vom Tische fern zu halten? Nach dem Crucifixe, das über dem Tische an der Wand hing, glitt des Priesters bedrängter Blick. An demselben Tage fiel ihm eine kleine Hundspeitsche in’s Auge, die beim Sattlermeister im Auslagkasten lehnte. Da kam ihm plötzlich die Erleuchtung. Er kaufte die Peitsche, und als es Essenszeit war und er sich allein zum Tisch setzte, kam wie immer die gute Katz’ herbei. Der Caplan nahm salbungsvoll das Crucifix in die rechte, die Hundspeitsche in die linke Hand — hielt ersteres der Katze vor und mit der letzteren — schwaps! ging’s über des Thierleins Rücken. Mit Einem Satz war die Katz’ davon.

Aber bei der nächsten Mahlzeit erschien sie wieder. Der Priester nahm in die Rechte das Crucifix, in die Linke die Peitsche und that wie das erstemal. Husch war sie weg.

Ein drittesmal nahte sie schon mit einigem Zagen, aber sie nahte, und der Caplan that wie das erste- und das zweitemal.

So ging’s etliche Tage fort. Da kam der Herr Pfarrer heim. Recht froh und heiter, daß wieder Alles in Ordnung ist, setzen sie sich zu Tische und die Gottesgab’ läßt nicht warten und läßt sich niemals, heute am allerwenigsten spotten.

„Aber wo ist denn mein Katzel?“ frägt der Pfarrer.

Lugt auch der Caplan um. „Dort hinter dem Ofen hockt’s ja.“

„Merkwürdig, daß es heute nicht zum Tisch kommt!“

„Wirklich, Herr Pfarrer, das nimmt mich auch Wunder. Ich merke schon seit ein paar Tagen so etwas. Mir fiel es sogar schon ein, was die Leute sagen — mag aber nicht d’ran glauben.“