Endlich, als in der Stube die Dämmerung des Abends zu herrschen begann, regte sich der Schläfer mit dem fuchsrothen Haupthaar und verlangte Wein. Es war ein Mann von etwa fünfunddreißig Jahren, knochig und rauh von Figur. Die Wangen und das Kinn waren glatt rasirt, der rothe Backenbart unter den Ohren und der Schnurrbart standen steif und struppig; die Augen waren grau und tiefliegend und die Knochenwände, die darüber hervorstanden, ließen wohl den eisernen Willen vermuthen, der in diesem Kopfe schlummerte. Im Uebrigen waren die Züge so wie bei anderen Bauersleuten, und doch wieder anders; sie waren abstoßend und doch interessant. Als er seine Augen rieb und das Mädchen erblickte, nahm er eine freundliche Miene an.
Jetzt wachte auch der Graukopf auf und schrie nach Wein.
„Ihr habt zu lang’ geschlafen,“ sagte Walpa, „dieweilen sind Gerichtsleut’ dagewesen und haben Alles verpetschirt.“
„Herr Jesses! Bei den Weinfässern werden sie doch nicht gewesen sein!“
„Freilich, auch bei den Weinfässern.“
„So bring’ einen Holzapfelmost!“ befahl der Wirth.
„Ja,“ sagte das Mädchen, „das Mostfassel haben sie auch verpickt.“
„Himmelherrgottsdirn, so trag einen Branntwein her!“
„Ist Alles verschmiert, Vater, und Ihr denkt nur fort an’s Trinken.“