Dann kam auch der Thorhofbauer herbei, und sagte: „Mit Euch Mädeln ist’s halt ein Kreuz. Ihr wollt’s was, und wißt’s nicht was, und da habt Ihr so allerhand Einbildungen. Ich weiß nicht, warum Du den Seizmüller nicht sollt’st nehmen. Ein braver, fleißiger Mann, der Reichste in der Gegend. Oft eine Andere wär’ zu tausendmal froh über eine solche Heirat, und es ist ja ein Glück, das Euch Gott vom Himmel schickt, jetzt, wo die traurige Sach mit der Pfändung ist. Mit allen Vieren greif zu, Walpa, das kann ich Dir sagen.“
Als sie davon wollte, eilte ihr die Thorhofbäuerin noch bis zur Thür nach und that dort mit leiser Stimme die Frage: „Ja, Walpa, weißt Dir einen Andern?“
„Gar nicht, gar nicht,“ versicherte das Mädchen und hat so ein Geheimniß verschwiegen.
Ungetröstet ging sie heimwärts.
Am andern Tag, als sie zur Messe ging, redete sie mit dem Kirchenvater, dem Erlsberger, was denn der meine.
„Gefreut mich, daß Du meinen Rath verlangst, Dirndl,“ sagte der Erlsberger, „schau, mich geht das Ding nichts an, kann auch nicht sagen, daß ich auf den Seizmüller extra was hielt’; er ist bisweilen ein bissel knopfig; aber ich thät Dir doch rathen, daß Du ihn nimmst. Es wird’s schon thun. Immer eine Ehe, die aus lauter Liebschaft geschlossen wird, ist zuletzt gar nicht glücklich, und immer eine, bei der sich die Zwei anfangs völlig nicht mögen, macht sich nachher recht gut. Das ist halt, wie die Leut’ zusammen geschaffen sind. Eine Einsicht hat er doch auch, der Seizmüller, und wenn er jetzt um Dich anhält, so wird er auch brav auf Dich schauen. Und mußt wissen, Walpa, in solchen Dingen muß man seinen Eltern folgen. ’s ist doch auch was, wenn Du Dir Dein Lebtag lang sagen kannst, Du hast Deinen Vater aus der Noth gerissen, und bei so einem Kind wird der Gottessegen auch nicht ausbleiben.“
„Wenn ich nur ein bissel was verspüren thät,“ meinte die Walpa, „er ist gar so viel herb und wirbt um mich, als wollt’ er — Gott wird’s mir verzeihen — einen Mühlesel kaufen. Ist halt ein trauriger Werber, der keine Lieb’ mitbringt.“
„Wesweg will er Dich denn, wenn nicht aus Lieb’,“ wendete der Bauer ein, „er könnt’ wohl gewiß Reichere haben, als Du bist — auf das mußt Du denken, Walpa, und so mußt Dir’s auslegen.“
„Vergelt’s Gott, Erlsberger,“ sagte nach einer Weile die Wirthstochter, „Ihr habt mir leichter gemacht. Ja, ja ’s wird das Beste sein, ich probir’s.“
„Mit dem Probiren ist’s nichts, Walpa. Sagst ja, so sagst es für’s Leben. Und da möchte ich Dir noch rathen, daß Du, wenn Du Dich schon entschlossen hast, frisch und munter drein gehst. Das Wanken und Zweifeln und Fürchten taugt nichts. — ’s wird schon gehen, er ist brav, ich bin brav und uns hat Gott zusammengeführt — so mußt Dir denken. Nu, Dirndl, wünsch’ Dir viel Glück!“