In der letzten Nacht vor der Trauung ist der Walpa im Traume die verstorbene Mutter erschienen, die hat gewinkt, hat die Tochter bei der Hand genommen, als wollte sie sie davonführen. Es war ein süßer und dabei wieder ein angstvoller Traum. Die Böllerschüsse haben sie davon geweckt.

Unter den vielen Hochzeitsgästen war auch der Blasius Steiger, ein frischer, sauberer Bursche, den die Walpa wohl kannte. Er war vor zwei Jahren noch als Postillon durch die Gegend gefahren und hatte das Posthorn geblasen, daß es eine Herzenslust gewesen. Beim Wiesenwirth war er stets eingekehrt, wenn auch nur auf ein klein Tröpfel zum Staubhinabschwemmen — länger wollten die Rößlein und die Reisenden nicht warten. Dem Blasi war die Walpa nicht ein einzigmal auf dem Bein gehockt. Der Blasius hatte sie nie geneckt, nie bewitzelt, war immer ernsthaft und freundlich gewesen und hatte immer gerade am Wiesenwirthshaus seine schönsten Weisen geblasen. Hätte Einer die Walpa gesehen, wie sie diesem Blasen zuhörte, so hätte der leicht merken können, daß die Burschen alle genarrt waren, denen sie auf der Ledernen saß. Der hätte ahnen mögen, daß dieses Mädchen nicht so seicht wäre, als es sich wohl geben mußte. Seit der Eisenbahnzeit war der Blasius im Pongau d’rüben gewesen; nun, und heute war er unter den Hochzeitsgästen, eigentlich unter den Musikanten; er blies das Flügelhorn. Nur ein- oder zweimal hatte Walpa den Burschen verstohlen angeblickt — nichts weiter, kein Ehrentänzchen, kein Lächeln, kein freundlich Wort über vergangene Zeit...

Mittags, zehn Minuten nach eilf Uhr, war Walpa das Weib des Seizmüllers geworden.

Nach der Trauung ließ sie sich im Wirthshaus ein Stübchen aufsperren, um die Kleider zu wechseln. Sogleich stand ihr Mann da: „Was willst denn?“

„’s thut mir leid um das schöne Gewand,“ sagte sie, „für’s Essen und Tanzen will ich einen leichteren Rock anlegen.“

„Weißt, Walpa,“ versetzte er, „wenn ’s mir nicht leid thut d’rum, so brauchst keine Umständ’ zu machen. Es geht aus meinem Sack, mußt nicht vergessen.“

„Ich hab’ nur gemeint,“ entgegnete sie leise, „weil’s die Andern auch all’ so machen.“

„Auf die Andern hast gar nicht zu schauen, Walpa; ich bin der Herr, mir hast zu folgen, und das kannst Dir merken ein- für allemal.“

„Hätt’ mir doch gedacht, daß ich von meinen Kleidern anlegen kunnt, was ich selber wollt’ — und das muß ich Dir schon sagen: theuer mag das Kleid wohl gewesen sein, das Du mir gekauft hast, aber sauber ist es nicht.“

„Ja hörst, Weibel, wem willst denn jetzt sonst noch gefallen? Etwa dem Postbuben — den Du voreh so verliebt angelugt hast? Du, das sag’ ich Dir, in solchen Sachen versteh’ ich keinen Spaß!“