Ziemlich schwer ließ der Seizmüller bei diesen Worten die Faust auf den Tisch niederfallen. Walpa sagte kein Wort mehr und behielt das orangenfarbige Kleid und die Flitterhaube mit den feuerrothen Bändern am Leibe. Sie war den einfachen, geschmackvollen Anzug der Oberländerinnen gewohnt, sie wußte wohl, wie fein ihr derselbe ließ. — Nun wäre sie am liebsten gar nicht mehr unter die Leute gegangen, aber sie wollte ihrem Manne keinen weiteren Anlaß zur Unzufriedenheit mehr geben, und so fügte sie sich in das für sie recht traurige Hochzeitsfest.

Der Wiesenwirth war dabei gar lustig; gab’s ja viel Wein und auch daheim waren wieder alle Spundlöcher offen, seitdem der Seizmüller-Schwiegersohn das Gericht und die Gläubiger durch etliche große Banknoten beschwichtigt hatte.

Laut war’s im Festhause, und die Leute können heute noch nicht Wunders genug sagen, wie es doch so lustig gewesen wäre bei des Seizmüllers Hochzeit.

Am andern Tage, als Vater und Gatte noch schliefen, ging Walpa in die Kirche und betete unter heißen Thränen um Gnade und Kraft, sich geduldig in das Ehejoch zu fügen und stets das Rechte zu finden, um den Hausfrieden zu erhalten.

Von der Kirche ging sie auf den Friedhof und legte einen Kranz auf das Grab des ersten Weibes ihres Gatten; der Erdhügel war ganz kahl, nicht ein einziger Grashalm stand darauf. Walpa hatte ihre Vorgängerin nicht näher gekannt, diese hatte immer ganz zurückgezogen in ihrem Hause gelebt und erst von sich sprechen gemacht, als es hieß, ein im Wettersturm niederstürzendes Dachbrett habe die Seizmüllerin erschlagen. — Walpa wußte aber, daß es die Ehemänner nicht ungern sehen, wenn die zweite Gattin das Andenken der ersten ehrt, und darum den Grabkranz.

Etliche Tage später sagte der Müller zu seinem Weibe: „Ich habe gehört, auf dem Freithof d’raußen bei meiner Alten soll so ein Laubwisch liegen. Hast Du’s gethan, so will ich Dir nur sagen, es stünd’ Dir besser an, Du thätst Dich um die Lebendigen kümmern, als um die Todten. Wie schaut denn mein zerrissen Unterleibel aus?“

„Da bitt’ ich Dich wohl um Verzeihung, ich hab’ gar nicht gewußt, daß Du ein Unterleibel tragst.“

„Trag’ auch keins, aber könnt’ eins tragen, und eine gute Hausfrau thät’ wenigstens darnach fragen.“ —

So ist diese Ehe angegangen. Diese Ehe, die zum größten Uebel hat geführt und deren Geschichte über manchem Thore stehen sollte als Warnungstafel: Verbotener Weg!

Der Seizmüller, so heiter und laut lustig er in Gesellschaft und im Wirthshause bei Kameraden sein mochte, so finster, herrisch gab er sich zu Hause. Er konnte keinen Widerspruch leiden, widersprach aber selbst in allen Dingen. Trotz reizte ihn, und auch Milde; und wenn er gereizt war, so schlug sein sonst höhnisches Wesen in einen förmlichen Wuthrausch über — und in solchen Momenten kannte er keine Ueberlegung.